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Stauffenberg im ZDF:Herr Oberst geht ins Licht

Tränen im Matrosenanzug: ZDF-Historiker Guido Knopp versucht, noch vor Tom Cruise die "wahre Geschichte" über Claus Schenk Graf von Stauffenberg zu erzählen.

Marc Felix Serrao

Was passiert, wenn einer eine gute Sache noch besser machen will? Wenn einer eine Rede hält auf einen tollen Kerl und dazu die Ehefrau weint und ein Klavier. Das Ergebnis ist Kitsch, ein schönes Wort, auch wenn es in dieser Stärke nur selten vorkommt.

Im Kino ist es Tom Cruise, im ZDF Peter Becker, wenn Guido Knopp "Stauffenberg - die wahre Geschichte" erzählt.

(Foto: Foto: ap)

Der ZDF-Historiker Guido Knopp hat keine Angst vor großen Gefühlen. Sie helfen ihm, schwierige Dinge so zu erklären, dass sie jeder versteht. Darum gehe es ihm, sagt er gerne: Verständnis. Knopp ist der Mann, der den Deutschen seit 20 Jahren die Nazis erklärt (Hitler - Eine Bilanz, Hitlers Helfer, Hitlers Helfer II, Hitlers Krieger, Hitlers Frauen und Marlene u.a.). Wenn beides zusammenfällt, also große Gefühle und Nazis, dann ist Knopp dabei.

Nächste Woche läuft Operation Walküre im Kino an, mit Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem gescheiterten Hitler-Attentäter. Knopp hat den Film schon gesehen. Fünf Fehler habe er gefunden, verriet er Bild. Doch zum Glück gibt es eine Alternative. Statt, wie Cruise, Stauffenberg "als fertigen Widerstandskämpfer" zu spielen, zeige er, Knopp, ihn, Stauffenberg, wie er wurde, wer er war: Stauffenberg - Die wahre Geschichte, heißt das zweiteilige "Doku-Drama", das nun im ZDF läuft.

Das Gute zuerst. Es gibt keine fünf Fehler in den zwei Filmen, vermutlich gibt es keinen einzigen. Dafür bürgt Peter Hoffmann, der Stauffenberg-Experte, der Knopp zur Seite stand. Der feine alte Herr, der eine lehrreiche Biographie über Stauffenberg verfasst hat, taucht im Film auch auf, und nicht nur er. Knopps Regisseure, Oliver Halmburger und Marek Brodzki, haben, so scheint es, alle ins Studio geholt, die irgend etwas mit dem 20. Juli 1944 zu tun hatten, vom letzten lebenden Mitverschwörer, Ewald von Kleist, über Stauffenbergs Fahrer, den Wachposten der Wolfsschanze, Stauffenbergs Kinder. Und viele mehr.

Altbekannt und überflüssig

Das Problem ist, dass all diese interessanten Persönlichkeiten nichts erzählen, sondern reihum nur Stichworte liefern, die in der Summe wohl überwältigen sollen; Aufsager, wie in den Nachrichten (Hoffmann: "Er war Soldat, und er hatte Befehle zu befolgen"). Knopp braucht seine zwei Mal 45 Minuten vor allem für die Spielszenen. Da mimt der gutgewachsene Peter Becker den Stauffenberg; lächelnd bei der Hochzeit mit Nina (Julia Brendler), ernst bei der Totenwache des verehrten Dichters Stefan George, traurig beim Abschied von der Familie, als die Kinder im Matrosenanzug, die schöne Ehefrau und ein Klavier weinen und der Oberst im Licht verschwindet. Es gibt Explosionen und computergenerierte Kampfflugzeuge, die knatternd durch blütenweiße Wölkchen schießen.

Das alles ist handwerklich sauberes "Histotainment", aber überflüssig. Es gibt mehr als ein halbes Dutzend Filme über den 20. Juli, auch gute (Jo Baier, 2004). Das Attentat ist jedem, der sich ein bisschen für den deutschen Widerstand interessiert, bekannt. Das fehlende Päckchen Sprengstoff, die verstellte Aktentasche, das Hickhack in Berlin: nicht neu. Tom Cruise muss es der Welt nochmal erzählen. Aber das ZDF? Knopp hat die "wahre Geschichte" versprochen, doch er liefert nur die altbekannte.

Was hat diesen träumerischen Offizier, der wie Hoffmann schreibt, nie so "stramm" war (wie Becker im ZDF), bewegt, Hitler anfangs zu folgen? Was war das für ein Adel, der seine Pflicht im Dienst am Staate verstand, "gleichgültig in welchem engeren Beruf" (Stauffenberg)? Und was war das "geheime Deutschland", das sich Georges Jünger von den Nazis erhofften und dann gegen sie retten wollten? Vielleicht kann Knopp so etwas nicht beantworten. Vielleicht kann es das Fernsehen nicht.

Stauffenberg - Die wahre Geschichte, ZDF, 20.30 Uhr. - 2. Teil am 20. Januar.

© SZ vom 13.1.2009/holz
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