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Stargeiger zu Gast:Verhalten

David Garrett muss gegen starkes Orchester anspielen

Es wirkt fast so, als gäbe David Garrett in der Anmoderation seiner Zugabe selbst die Erklärung für die Zurückhaltung, die er, eingesprungen für Sol Gabetta, in der Philharmonie an den Tag legt: Sein Manager habe ihm geraten, als Zugabe keinen Paganini zu spielen, lieber etwas Seriöses. Nun ist gegen eine maximal seriöse Bach-Partita absolut nichts einzuwenden; auch Garrett gewinnt während der Darbietung Gefallen daran. Dem ersten Violinkonzert von Max Bruch aber hätte etwas mehr Paganini im Gestus gut getan: Garrett spielt das Konzert sehr beflissen. Technisch gelingt ihm viel.

Dennoch bleibt mitunter das Gefühl von Verhaltenheit. Nicht jeder Spannungsbogen gelangt an sein vorgesehenes Ende, die Melodik ist homogen, aber nicht immer erzeugt Garrett die offenbar beabsichtigte Wärme. Dabei zeigt sich die erwünschte Intensität, sobald sich Garrett frei gespielt hat, sie zeigt sich vor allem im Finale Allegro energico, dessen Virtuosität Garrett entgegenkommt.

Dass die solistische Durchsetzungskraft für das Bruch-Konzert nicht immer ausreicht, liegt aber auch an der Filarmonica della Scala unter der Leitung von Myung-Whun Chung. Mit welcher Lust dieser Orchestermusiker die Ärmel hochkrempelt, war bereits anfangs bei Webers "Freischütz"-Ouvertüre zu bemerken - so süffig musiziert, als wäre sie von Verdi. Beim Bruch-Konzert greifen die Musiker ähnlich zu, was für einen Solisten nicht leicht zu parieren ist. Nach der Pause, bei Beethovens fünfter Symphonie könnte man darüber sinnieren, ob es passend ist, diesem Werk - "Schicksalssymphonie" hin oder her - einen so dicken romantischen Anstrich zu verpassen. Doch ist die Darbietung, von Chung befeuert, bei aller Fülle metrisch stets kontrolliert, was dem Getöse Präzision verleiht und beim Zuhören Laune macht. Lediglich das Andante schlurft etwas breitbeinig daher - dafür ist die Zugabe aus Rossinis "Tell"-Ouvertüre schneller, als man sie sich je vorgestellt hat.