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Staralbum aus der Süddeutschen Zeitung (30):Tilda Swinton

Wenn sie als Krankenschwester Laurence Olivier betreut in Derek Jarmans "War Requiem", dann ist Tilda Swinton die postmoderne Engländerin schlechthin.

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Tilda Swinton

(Foto: Verleih)

In den Filmen von Jarman und in Sally Potters "Orlando" verkörpert sie britische Tradition und ihre Dekonstruktion. Die Swinton, sie ist immer Queen und Punk zugleich. Verspielt, artifiziell, gescheit sind die meisten Filme, in denen sie mitgespielt hat.

Sie hat einen Film gemacht mit dem Filmtheoretiker Peter Wollen ("Friendship's Death") und einen mit Christoph Schlingensief ("Egomania - Insel ohne Hoffnung"). Die Erotik der Intellektualität verkörpert sie mit ihrer coolen Sinnlichkeit, ihrer ätherischen Schönheit, ihrer wilden Melancholie.

Das Geheimnis des Weiblichen erkundet sie in Susan Streitfelds "Female Perversions" und in Cynthia Beatts wunderbarem, selten gezeigten Berlin-Film "The Party - Nature morte". Tilda Swinton schreitet durch die Filme von Streitfeld und Beatt, mit Beinen, die nach Truffaut wie Zirkel die Welt abmessen. Die seltsame Exotik der Britin verkörpert sie in "The Beach": Als Anführerin der Neo-Hippies ist Leonardo DiCaprio für sie nicht mehr als ein Sex-Spielzeug. Auch in "The War Zone", Tim Roths Kompendium britischer Filmgeschichte vom Landschaftsbild à la David Lean bis zum Kitchen-Sink-Realismus hat sie mythische Qualitäten.

Sie ist im naturalistischen Ambiente Mutter und Göttin. Tilda Swinton, the last of England.

hasch

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