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Star-Autor Philip Roth:Von der Kunst des Aufhörens

Philip Roth

Abschied von der literarischen Bühne: Diesmal soll es das letzte Interview sein, das Autor Philip Roth gibt.

(Foto: AP)

Der amerikanische Autor Philip Roth setzt an diesem Dienstag seinen Abgang von der literarischen Bühne fort. Im "endgültig letzten" Interview mit der BBC bekräftigt er seinen Abschied vom Schreiben. Und doch bleibt der Verdacht: Da kommt noch was.

Das Aufhören, das Loslassen ist, wie jeder Gefühls-Coach und Scheidungsberater weiß, eine ganz eigene Kunst und fordert manchmal das halbe Leben. Nicht jedermann ist es gegeben, nach einigen verwegenen Gedichten Paris und der ganzen Welt der Literatur Adieu zu sagen und wie Rimbaud seinen Lebensunterhalt fortan im allerdings ungleich lukrativeren Waffenhandel zu verdienen. Philip Roth hat sich vor zwei Jahren mit großer Geste von der Literatur verabschiedet, aber wie schwer ihm das Loslassen fällt, beweist er mit schöner Regelmäßigkeit, wenn er seinen Entschluss noch einmal bekräftigt und für unwiderruflich erklärt.

Er tritt auf, liest ein wenig, lässt sich zu seinen Büchern befragen und erklärt, dass er nie mehr auftreten werde. Er gewährt ein ausführliches Interview, in dem er erklärt, dass er keine Interviews mehr geben werde. Gelegentlich schreibt (!) er auch einen Leserbrief, um ein Detail über sein Verhältnis zu seinem Freund und Konkurrenten John Updike richtigzustellen.

Die Philip-Roth-Forschung wird auf die offizielle Philip-Roth-Biographie verwiesen, die aber erst in acht Jahren erscheinen soll. Erste Gedenkstücke erscheinen: Wie war Philip Roth als Professor? (Unsexy und ausschließlich textbezogen, also der beste Lehrer.) Die Roth-Exegese hat aber längst nicht ihr Ende erreicht, zumal Roth naheliegender Weise das letzte Wort haben will.

Es soll der letzte Fernsehauftritt sein

Philip Roth ist inzwischen 81 Jahre alt. Nach der jüngsten Rentenreform hätte er ohnehin schon vor achtzehn Jahren den Griffel abgeben müssen, hätte sein bedeutendes Spätwerk nicht mehr schreiben können, "Empörung" nicht, "Exit Ghost" und nicht den "Menschlichen Makel". Außerdem ist längst nicht alles gesagt: zum Schreiben, zum Aufhören, zu Philip Roth.

Deshalb hat er jetzt der britischen BBC ein Abschiedsgespräch gewährt, das, wie könnte es anders sein, nun wirklich der letzte Fernsehauftritt sein soll. In diesem Interview, das an diesem Dienstagabend gesendet wird, spricht Roth erwartungsgemäß ein weiteres Mal davon, dass er das Schreiben aufgegeben habe. "Ich wusste, dass ich nicht besser werden könnte. Warum also schlechter werden?"

Dennoch, da bleiben Zweifel. Hat er wirklich mit allem abgeschlossen? Wahrscheinlich ist es leichter, als Bundeskanzler abzudanken und fortan ein unscheinbares Leben als Welt-Erklärer zu führen. Ein Schriftsteller bleibt im erwählten und erlernten Beruf, selbst wenn ihm Stoff und Kraft ausgehen sollten und sein Verleger keinen Brief mehr beantwortet.

"Ich hatte Angst, ich hätte dann nichts mehr zu tun", sagt Roth, aber er hat sich dieser großen und schweren Aufgabe gestellt wie früher dem Bücherschreiben. Doch im gleichen Gespräch deutet er eine Affäre mit der geschiedenen Mrs. Sinatra an, die unter dem Namen Ava Gardner einst weltberühmt war. Das ist neu, darüber hat er noch nicht geschrieben, aber vielleicht erscheint im nächsten Jahr überraschend eine letzte, eine allerletzte Novelle von Philip Roth, "Sinatra's Ghost".