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Star-Album (117):Gérard Depardieu

... ist endlich in unser Staralbum aufgenommen worden

In Wirklichkeit sind französische Männer noch viel mysteriöser als die französischen Frauen, von denen das immer behauptet wird: Aus irgendwelchen Gründen bringt die Grande Nation immer sehr, sehr merkwürdige männliche Sexsymbole hervor. Es ist schwierig, einem Mann zu erklären, was an dem versoffenen, verlebten Serge Gainsbourg erotisch gewesen sein soll, oder warum Yves Montand nur langweilig aussieht, aber nie langweilig wirkt - oder worin die Faszination eines moppeligen Mannes mit einer großen Nase besteht.

(Foto: SZ v. 07.03.2002)

Gérard Depardieu, mit über hundert Kinofilmen in 30 Jahren ein Workaholic und der Superstar des französischen Kinos, hat gegen jede Chance Karriere gemacht - 1948 in ziemlich ärmliche und zerrüttete Verhältnisse hineingeboren, geriet er als Jugendlicher auf die schiefe Bahn. Das Theater bot ihm ein erstes richtiges Zuhause, Anfang der siebziger Jahre bekam er seine ersten Filmrollen. Und dann gab ihm, 1974 war das, Bertrand Blier die Hauptrolle in "Les Valseuses" - und nun nahm Depardieus zwielichtiger Charme Formen an, er wurde zu einem gebrochenen Helden, oft ein bisschen gewalttätig, und dennoch sehr weich. Für "Die letzte Metro" bekam er seinen ersten César, in den Achtzigern, zu den Zeiten von "Die Rückkehr des Martin Guerre" und "Danton" war er schon ein Kassenmagnet. Im nächsten Jahrzehnt schwappte der Ruhm bis nach Amerika - er drehte "Greencard" und "Bogus". Die Mixtur aus Kraft und Schwäche ist es wohl, die ihn unwiderstehlich macht, und seine Selbstironie - als Schwulenhasser, der ans andere Ufer wechselt in "Ein Mann sieht rosa" im vergangenen Jahr beispielsweise, oder als fetter, kindischer Obelix in den Asterix-Filmen.

Und außerdem ist die Nase auch gar nicht so groß - für "Cyrano de Bergerac" (1990) hat er sie immerhin noch aufpolstern lassen müssen.