Spurensuche Verräterische Gesten

Einen Gesten-Tumult gab es bei einer Pressekonferenz Trumps. Man kennt diese verräterischen Gesten aus großen Bildern

Von Marie Schmidt

Die bedauerlichste Figur im jüngsten Handgemenge, ach was, in der Leistungsgesellschaft grosso modo ist die Praktikantin. Eine nicht namentlich bekannte Frau in dieser Position wollte sich profilieren, indem sie dem CNN-Reporter Jim Acosta bei einer Pressekonferenz mit Donald Trump das Mikrofon wegnahm. Anschließend wurde sie, das hat sie davon, vorgeschoben um zu erklären, warum man dem Journalisten die Akkreditierung für das Weiße Haus entzogen hat. Das zeigt, was die Trump-Administration von Pressefreiheit hält. Aber der Vorwurf, Acosta habe "Hand an die junge Frau gelegt", ist auch nicht ohne. Deshalb starrt die Welt auf diese Handbewegungen: Acostas anklagende Linke, die gleich scharf herunterfährt, die Praktikantinnenhand beherzt greifend, die Rechte des Journalisten fest ums Mikrofon geschlossen, daneben die nächste Wortmeldung.

So klare Gesten kriegen sonst nur die Maler des Chiaroscuro hin, der auch metaphorisch im Zwielicht des Menschlichen spielenden Szenen. In der "Verleugnung Petri" des Niederländers Gerrit van Honthorst hat die verräterische Magd (Praktikantin der Frühzeit) den Apostel am Revers, der anklagende Finger eines Häschers deutet auf ihn, Petrus kehrt die Handfläche abwehrend nach außen, so verleugnet er den Herrn.

Häufig im Helldunkel zu sehen sind auch die Hände der Falschspieler von Caravaggio, Georges de la Tour und wiederum van Honthorst, die ihre gezinkten Karten merkwürdig manieriert in den Bildvordergrund drehen. So treuherzig stellt sich das Tricksertum heute nicht mehr dar. Die Experten streiten deshalb jetzt, ob eine Sequenz, die Trumps Sprecherin von der Szene mit Acosta und der Praktikantin auf Twitter postete, verfälscht wurde. Ob einige Einzelbilder mehrmals hineinmontiert worden sind, sodass Acostas Geste gegen die Frau härter wirkt. Anders als Kartentricks, könnten solche subtilen Veränderungen die Wirklichkeit erodieren lassen, heißt es. Gerade weil sie nicht mit bloßem Auge zu erkennen sind.