Spurensuche Traum vom Fliegen

Der eingestellte Airbus A380 ist nicht das erste deutsche fliegerische Großprojekt gewesen.

Von Fritz Göttler

Die Welt verändert sich, nicht aber die großen Fragen. Wir suchen in Kunst und Theorie nach neuen alten Motiven. Der Airbus A380 ist nicht das erste deutsche fliegerische Großprojekt gewesen.

Der Traum vom Fliegen kennt keine Grenzen, er durchzieht das ganze 20. Jahrhundert mit seinem Drang nach Freiheit, seiner Dynamik, die nichts bremsen kann. "Schneller und immer schneller rast der Propeller." Eine Alleskönnerfantasie, am Rande mythischer Überheblichkeit.

All dies klingt auch beim Airbus A380 an, dem ehrgeizigen deutsch-französischen Projekt - das größte, geräumigste Linienflugzeug, vierstrahlig, zwei Passagierdecks, Platz für 850 Passagiere, 15 000 Kilometer Reichweite. In der vergangenen Woche gab Airbus bekannt, dass der Bau der Maschinen in zwei Jahren eingestellt wird, mangels Aufträgen - die meisten davon waren aus neureichen Staaten gekommen. Der A380 teilt so das Schicksal des Zeppelins, der, nach expansivem Höhenflug in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, durch den Absturz der Hindenburg 1937 zur Legende wurde. Vom Zeppelin zum Airbus, das war der große aviatorische Traum, effektiven Transport, große Geschwindigkeit und bürgerlichen Komfort, ja Luxus zusammenzubringen. Es ist der Traum des 19. Jahrhunderts, Jules Verne hatte ihn in vielen Facetten beschrieben, in der Luft, unter Wasser, auf dem Flug zum Mond. Ihre Vision vom Schweben, vom Abgehobensein wollten die Flieger von möglichst vielen Menschen geteilt sehen. Die Abenteuerlust und Energie, die sie entwickeln, ist nicht nur Selbstzweck und Selbstbestätigung, sie ist immer ausgerichtet auf praktische Verwertbarkeit.

Kurz vor dem Aus für den Zeppelin gab es noch ein anderes sensationelles technisches Großprojekt - allerdings nur im Kino, in dem Film "F. P. 1 antwortet nicht", 1932, Ufa-Science-Fiction von Karl Hartl, nach einem Roman von Kurt Siodmak, mit Hans Albers und Sybille Schmitz. F. P. 1 ist eine gewaltige Stahlplattform, die im Atlantik errichtet wird, um Verkehrsflugzeugen beim Überqueren Landemöglichkeit zu bieten zum Auftanken oder für Reparaturen. Eine Stadt im Ozean, mit Hotels und Einkaufszentren. Ein ehrgeiziger Traum der deutschen Dreißiger, aber nicht nur, es wurden gleichzeitig eine englisch- und eine französischsprachige Version gedreht.

Die technische Großtat schlägt am Ende in emotionales Melodram um. Dass F. P. 1 nicht antwortet, ist Folge einer fiesen Sabotage, und nur der Flieger Albers kann Rettung bringen. Von dem Film ist vor allem das Lied in Erinnerung geblieben, das Albers singt, "Flieger, grüß mir die Sonne".