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Spurensuche:So wunderbar weiß

Bauhaus in Dessau

Weil die Stiftung in Dessau nicht will, vereinen sich Ästhetik und Politik im Brauhaus statt im Bauhaus.

(Foto: Jens Wolf/dpa)

Wir suchen in Kunst und Büchern nach wiederkehrenden Motiven. Diesmal nach Verbindungen zwischen Bauhaus und "Feine Sahne Fischfilet".

Die Welt verändert sich ständig, die großen Fragen aber bleiben. Wir suchen in Kunst und Büchern nach wiederkehrenden Motiven. Diesmal nach Verbindungen zwischen Bauhaus und Feine Sahne Fischfilet.

Es hätte besser laufen können für das Bauhaus. Seit geraumer Zeit bereitet man sich in Dessau auf das große Jubiläum "100 Jahre Bauhaus" im kommenden Jahr vor, und die Erinnerung an die Novemberrevolution 1918 hätte ein idealer Durchlauferhitzer sein können, um die Aufmerksamkeit schon im Vorfeld auf das Zusammenspiel von ästhetischen und politischen Energien zu lenken, aus dem das Bauhaus hervorgegangen ist. Immerhin war es zunächst in Weimar angesiedelt, am selben Ort, an dem die erste deutsche Republik ihre Verfassung erhielt. Ohne Novemberrevolution kein Bauhaus, vielen seiner Protagonisten steckte der Krieg in den Knochen, seine endgültige Schließung 1933 ging mit der Konsolidierung des Nationalsozialismus an der Macht einher.

Nun aber ist das Bauhaus, kaum wird es öffentlich erwähnt, bis auf Weiteres mit dem Namen der Punkband "Feine Sahne Fischfilet" verknüpft, deren Auftritt in den historischen Räumen die "Stiftung Bauhaus" in Dessau aus Sorge absagte, zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen zu werden. Und nicht zuletzt aus Sorge um die denkmalgeschützte Bühne. Die AfD hatte im Stadtrat von Dessau gegen die Band gewettert, die vor einem Jahrzehnt im "Macht kaputt, was euch kaputtmacht!"-Stil gegen die Polizei anschrie und zeitweilig vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Nicht genug damit, dass nun in Deutschland wie international Politiker, Kuratoren und Museumsdirektoren über die geschichtsfremde Verlautbarung der Stiftung herfielen, das Bauhaus sei ein unpolitischer Ort. Und dass das Konzert am kommenden Dienstag nun in einem Brauhaus in Dessau stattfindet, mit einem Gespräch zwischen Moderator und Band über die Bauhaus-Ausladung beginnt, vom ZDF aufgezeichnet und am 1. Dezember bundesweit auf 3sat ausgestrahlt wird.

Es kommt erschwerend hinzu, dass der Name der ausgeladenen Band so verteufelt gut zum Bauhaus gepasst hätte. "Feine Sahne Fischfilet" ruft die Signalfarbe der Bauhaus-Ästhetik auf, das Weiß. Für den Namen hat ein Massenprodukt aus dem Supermarkt Pate gestanden, die Verfeinerung des Massengeschmacks war ein Bauhaus-Ziel. Und wer je eine Keramik der Zwanzigerjahre vor Augen hatte, der kann sich vorstellen, auf wie sehr strahlendem Weiß und in welch eleganten Formen das historische Bauhaus Fischfilet samt feiner Sahne serviert hätte.