Spurensuche Botschafter der Angst

Der Soldat Bennett Marco (Frank Sinatra) kann sich an Heldentaten erinnern, die nie passiert sind.

(Foto: action press)

Wie fühlt sich das an, ferngesteuert zu werden? In John Frankenheimers Film "The Manchurian Candidate" ging es 1962 um den Übergriff auf ein Land.

Von Susan Vahabzadeh

Gedanken sind grenzenlos frei. Man kann einer Idee schlecht die Einreise verweigern. Vagabundierendes Gedankengut hat ja auch zunächst einmal gar nichts Bedrohliches; außer, es hat jemand, den nicht die Idee interessiert, sondern die Kontrolle, das zarte Pflänzchen in einem fremden Hirn gegossen. Wenn es Anzeichen dafür gibt, dass der russische Regierungsapparat, vielleicht bis hin zu Putin selbst, rechtspopulistische Parteien in Europa fördert, am amerikanischen Wahlverhalten herumdoktert, sich in fremde Computer hackt und politische Haltungen fernsteuert, kann einem schon angst und bange werden.

John Frankenheimer erzählte 1962 eine solche Geschichte in seinem Film "The Manchurian Candidate / Botschafter der Angst", basierend auf dem Roman von Richard Condon. In der ersten Szene sieht man Frank Sinatra als Captain Bennett Marco, der sich unruhig im Bett wälzt, ihn plagt ein Albtraum: Die Versammlung eines Gartenkunstvereins, lauter alte Damen, die über Blumen reden, zeigt die Kamera in einer langen Fahrt. Und als sie sich einmal um sich selbst gedreht hat, steht auf dem Podium ein Mann, hinter ihm die Bilder von Mao und Stalin, neben ihm amerikanische Soldaten. Auch Captain Marco sitzt da - er habe, so der Redner, diese Männer einer Gehirnwäsche unterzogen, sie glaubten sich auf der Versammlung der alten Damen. Ist das Traum oder Erinnerung? Es bringt Marco jedenfalls auf die Spur einer Verschwörung. Eine internationale Gruppe von Kommunisten hat die Soldaten im Koreakrieg gefangen genommen und umprogrammiert, einer von ihnen, Raymond Shaw (Laurence Harvey), stammt aus einer einflussreichen Familie. Die anderen haben ihn zum Kriegshelden erklärt, basierend auf einer implantierten Erinnerung. Das ist nicht ganz dasselbe wie gesteuerte Informationen, Falschinformationen und Stimmungsmache, aber das Prinzip ist ähnlich: Am Ende glaubt derjenige, dem der Kopf von innen gewaschen wurde, etwas zu wissen.

Bei Frankenheimer steckt eine Lady Macbeth dahinter, Shaws Mutter (Angela Lansbury) zieht die Fäden, Ziel ist es, dass ihr Sohn politische Gegner umbringt - und sie dann einen Kommunisten ins Weiße Haus hineinmanövrieren kann. Als Jonathan Demme 2003 ein Update des alten Stoffs drehte, waren es übrigens keine Kommunisten mehr, sondern große Konzerne, die sich da einen Kandidaten bastelten, eine Fernsteuerung fürs Weiße Haus.