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Spurensuche:Auto-Tausch

Alles Um Anita, Hollywood Or Bust

Big Cabrio-Deal. Jerry Lewis kriegt Anita Ekberg, und auch Dean Martin kann zufrieden sein.

(Foto: mauritius images)

Im Geschäft mit gebrauchten Automobilen, ist heute alles möglich, und die Dieselbranche verkauft ihre Umtauschpläne als großen Deal für die Kunden. Einen Meister dieser Praktiken gibt es in einem Jerry-Lewis-Film aus den Fünfzigern.

Die Welt verändert sich ständig, nicht aber die großen Fragen. Wir suchen in Kunst und Musik nach wiederkehrenden Motiven. Wie man mit gebrauchten Wagen ein Geschäft machen kann, sieht man im Film "Hollywood or Bust".

Stupid Sam ist ein amerikanischer Archetyp. Er ist geradlinig und unverblümt; das mag manchmal ein bisschen boshaft wirken. Er versteht sein Geschäft, betreibt es mit heftiger Inbrunst. Der Wind lässt die Wimpel, die seinen Parkplatz umgeben, fröhlich flattern. Schrecklich ist nur die Lache von Sam, bei der läuft es einem kalt den Buckel runter.

Stupid Sam ist ein Gebrauchtwagenhändler. Er hat einen eindringlichen Auftritt in dem Film "Hollywood or Bust", 1957, von Frank Tashlin, der bei uns "Alles um Anita" heißt. Die Praktiken des Geschäftsmanns Sam sind typisch auch für den Handel mit Automobilen heute, in der unseligen, nicht enden wollenden Dieselkrise, in der die Branche, im Verein mit frohgemuten Politikern, die merkwürdigsten Umtausch-Konzepte unverfroren als Superchance für einen Neuwagen verkauft. Anita, das ist die Anita Ekberg, die der junge Malcolm (Jerry Lewis) vergöttert und unbedingt in Hollywood aufsuchen will. Bei einer Lotterie gewinnt er ein brandneues rotes Cabrio, was ihn der Erfüllung seines Traumes ein Stück näherbringt - allerdings gibt es, wegen einer fiesen Manipulation, einen Co-Gewinner, und dieser, Steve (Dean Martin), braucht das Gefährt unbedingt, um es zu verkaufen, weil er Schulden hat bei Gangstern.

Ein mit Sehenswürdigkeiten gespickter Roadtrip führt die beiden quer durch Amerika, allerdings schafft es Steve partout nicht, das Cabrio heimlich zu verkloppen. Als es dann doch so weit kommt und Malcolm traurig das schöne neue Auto - sein erstes - zum Verkauf freigeben muss, tritt Stupid Sam in Aktion, im Hawaiihemd, mit Pomade im Haar. "Also, ihr habt mein Schild gelesen, ihr wisst, wie dumm ich bin", erklärt er glucksend. "Ich geb euch 1500 Dollar." Malcolm und Steve reagieren unisono: "1500??? Der Wagen ist doch erst eine Woche alt!" Empört steigen sie wieder in den Wagen, Malcolm ist glücklich. Aber - sie haben kein Benzin mehr, also kommt Sam doch noch zu seinem Deal.

Es gibt, man weiß es, eine Differenz zwischen Gebrauchs- und Tauschwert einer Ware. Der emotionale Gebrauchswert des Wagens ist unermesslich für Steve. Heimlich schleicht er zu Sam zurück, der soll den Wagen noch ein wenig zurückhalten, er wolle ihn wieder auslösen. Noch einmal gluckst Stupid Sam fröhlich, und klappt das Preisschild an der Windschutzscheibe hoch: "Fast neu. 4000 Dollar."