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Barack Obama und Bruce Springsteen:Hawaii ist doch auch nur New Jersey

Obama Honors 21 Americans With Presidential Medal of Freedom

Ganz bei sich: Bruce Springsteen und Barack Obama.

(Foto: AFP)

In einem neuen Podcast unterhalten sich Barack Obama und Bruce Springsteen über Hoffnungen, Rassismus und warum ihre Erfahrungen sich ähnlicher sind, als man meinen sollte.

Von Susan Vahabzadeh

Wo Bruce Springsteen ist, da ist Musik drin, und das ist auch in dem Podcast so, den er nun mit Barack Obama gemacht hat. Erst reden die beiden nur, erzählen einander, wie sie sich kennengelernt haben, als hätten sie's vergessen: Springsteen setzte große Hoffnungen in Obama, in den Ansatz seines Wahlkampfs 2008, sich für mehr soziale Gerechtigkeit einzusetzen, und so begegneten sie sich, als Springsteen bei einer Wahlkampfveranstaltung auftrat. Ich dachte erst, sagt Obama, du wärst schüchtern. Und Springsteen antwortet: Wenn man das nicht ist, verwendet man nicht so viel Energie darauf, seine eigene Sprache zu finden. Und dann kriecht ganz langsam die Musik in das Gespräch, Songs von Springsteen, dann auch andere, die sie geprägt haben.

Die Verbindung zwischen Bruce Springsteen und Barack Obama ist nicht gerade offensichtlich. Es ist fast unmöglich, innerhalb der USA weiter voneinander entfernt aufzuwachsen als in New Jersey und Hawaii. Aber die beiden arbeiten recht mühelos heraus, warum die Erfahrungen dann doch viel miteinander zu tun haben. Sie haben, erzählen sie, innerhalb ihrer Gemeinden eine Außenseiterrolle eingenommen: Obama, weil er schwarz war. Springsteen, Katholik mit irischen und italienischen Wurzeln, ist ethnisch in New Jersey zwar eher Durchschnitt - weil sein Vater aber mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte und so was in Kleinstädten jeder weiß, gehörte er auch nicht so richtig dazu.

Gerade wurden die ersten zwei Folgen von "Renegades - Born in The USA" veröffentlicht, einer weiteren Produktion von Higher Grounds, der Firma, die die Obamas nach ihrem Abgang aus dem Weißen Haus gegründet haben - dort haben sie auch schon mehrere Filme für Netflix produziert und einen Podcast, in dem Michelle Obama sich mit wechselnden Gästen unterhält. Obama wird nun immer nur mit Bruce Springsteen reden, in dessen Studio in New Jersey - was erstaunlich unterhaltsam, manchmal sogar rührend ist. In den besten Momenten hört es sich ein bisschen so an, als hätte Springsteen Obama in seine Broadway-Show geladen, die als Aufzeichnung auf Netflix zu sehen ist. Hier wird mehr geredet, aber es ist ein ähnlicher Tonfall - Springsteen ist großartig darin, mit wenigen Sätzen den Hintergrund eines Songs so zu umreißen, dass man ihn besser versteht als je zuvor. Springsteen erzählt von seiner Kindheit, wie die Rassenunruhen in New Jersey 1967 sogar seine Kleinstadt erfassten, von den unausgesprochenen Regeln im Umgang mit den schwarzen Kindern, mit denen er spielte. Und dann erklingt "My Hometown". Jeder, sagt Springsteen, trägt ein Stückchen Verantwortung dafür, wie seine kleine Stadt ist. Und, hörbar frustriert: Ich dachte, mit dem Nazi-Zeug wären wir durch; und dann erklärt ihm Obama in seiner unnachahmlich hoffnungsvollen Art, dass sich der Bogen der Geschichte zwar in Richtung Gerechtigkeit neigt, aber leider nicht in einer geraden Linie.

Erschienen ist "Renegades" bei Spotify - nur auf Englisch. Allerdings hat die schwedische Firma, Marktführer unter den Musikstreamingdiensten, auch eine Reihe deutschsprachiger Podcasts ins Programm genommen. Zwölf neue wurden gerade angekündigt, darunter ein tägliches Nachrichtenformat namens "Fomo - Was habe ich heute verpasst" und mehrere in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Zeitung.

© SZ/cag
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