Digitale Kultur Es erinnert an George Orwells Dystopie "1984"

Der Weg vom Sprachmonopolisten zum Sprachpolizisten ist da nicht mehr weit. So haben Google, Apple und Twitter das Pistolen-Emoji in wohlfeilem Paternalismus durch ein Wasserpistolen-Emoji ersetzt, weil sie eine gewaltfreie Kommunikation programmieren und die Nutzer sprachlich entwaffnen wollen. Es erinnert ein wenig an George Orwells Dystopie "1984", wo Syme, der im "Ministerium für Wahrheit" an der Ausgabe des Wörterbuchs für Neusprech arbeitet, am Mittagstisch in der Kantine deklamiert: "Es ist eine herrliche Sache, dieses Ausmerzen von Worten." Aus Fiktion wird Wirklichkeit.

Es geht hier um nicht weniger als die Deutungshoheit über Zeichen und Symbole. Als Apples Software-Chef Craig Federighi die neuen "predictive emojis" seines Hauses vorstellte, welche die Gefühle der Nutzer antizipieren sollen, prophezeite er: "Die Kinder von morgen werden kein Verständnis der englischen Sprache mehr haben."

Wenn mathematische Formeln erzählen, braucht es schon gar keine Worte mehr. Das Individuum degeneriert zur Datenfolge. Man kann diese Sentenz auch als antiaufklärerisches, autoritäres Postulat deuten: Wer der Sprache nicht mächtig ist, kann logischerweise nicht widersprechen - und ist machtlos. Amazon-Manager David Limp geht sogar noch einen Schritt weiter: "Die Kinder von heute wachsen in einer Umgebung auf, ohne sich an den Tag erinnern zu können, wo sie nicht mit ihren Häusern sprachen."

Mensch und Maschine sprechen im Internet der Dinge eine Sprache: Programmiersprache

Im Internet der Dinge, wo vom Auto bis zur Zahnbürste Objekte miteinander kommunizieren, sprechen Mensch und Maschine eine Sprache: Programmiersprache. Alles wird der Grammatik des Codes untergeordnet. Wo in China Algorithmen Textnachrichten zensieren, werden in westlichen Demokratien Nutzer trivialisiert - mit der Folge, dass ihr Kommunikationsverhalten genauso kontrollierbar und steuerbar ist.

Indem Tech-Konzerne sprachliche Codes determinieren, implementieren sie Sprachregelungen und schränken durch technische Voreinstellungen den diskursiven Raum ein. In Diktaturen konnten Dissidenten die Zensur noch mit subversiven Wortspielen und Witzen umgehen. In der künstlichen Umgebungsintelligenz kann man schon gar keine Systemkritik mehr formulieren, weil jede Spracheingabe a priori systemkonform ist.

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