"Spiegel"-Chef Aust beurlaubt "Ich hatte schon den Mantel an"

Wachwechsel beim Spiegel: Chefredakteur Stefan Aust wurde Knall auf Fall beurlaubt, ein Gespräch mit seinen beiden Nachfolgern gab es nicht mehr.

Von Christian Kortmann

Der Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, 61, hat frei. Er nimmt bei vollen Bezügen seinen restlichen Jahresurlaub - und ist dann vom 26. März an freigestellt. Ab sofort übernehmen Georg Mascolo und der bisherige Spiegel-Online-Chef Mathias Müller von Blumencron die Chefredaktion. In einer Versammlung am Nachmittag wurden die Spiegel-Redakteure über diese Lösung informiert.

Nach dem Gespräch mit Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank am Dienstagmittag hatte Aust sein Büro geräumt und war nach Hause gegangen. Dort erreichte sueddeutsche.de telefonisch einen bestens gelaunten Ex-Spiegel-Chefredakteur. Er habe viel zu tun und deshalb keine Angst vor Langeweile, sagte er, und schien seinen Urlaub vom ersten Moment an zu genießen.

"Meine Sachen waren schnell zusammengepackt, im Büro war sowieso nicht mehr viel drin", sagte Aust. Auf dem Flur sei er seinen Nachfolgern Mascolo und Müller von Blumencron begegnet. Sie wollten mit ihm reden - doch Aust wollte nicht: "Ich hatte den Mantel schon an und habe gesagt, wir können das später mal besprechen."

Er habe mit beiden beim Spiegel sehr gut zusammengearbeitet, und wolle sie nicht für seine vorzeitige Demission verantwortlich machen. Das Problem seien jedoch die "ungewöhnlichen Methoden", mit denen der Verlag Personalpolitik betreibe. Daran werde man sich beim Spiegel wohl gewöhnen müssen, sagte Aust.

Von seiner sofortigen Beurlaubung sei er nicht überrascht worden: "Bei einer Geschichte, die so planmäßig vorbereitet worden ist, habe ich mich gewundert, dass das nicht viel schneller ging."

Stefan Aust hatte den Mantel also gewissermaßen schon etwas länger an.