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Spektakuläre Graböffnung:Montaignes Überreste

(Foto: Lysiane Gauthier/AFP)

Halloween ließ man erst einmal vorbeigehen, damit keine falschen Gedankenassoziationen aufkommen. Seit Beginn dieser Woche ist in Bordeaux nun aber eine spektakuläre Graböffnung im Gang. Die Stadt will endlich wissen, ob im angeblichen Grab Montaignes im Untergeschoss des Musée d'Aquitaine wirklich der Renaissance-Philosoph und ehemalige Stadtbürgermeister begraben liegt. Ende des letzten Jahres hatte eine in den Sarg eingeführte Minikamera bestätigt, dass dieser tatsächlich menschliche Gebeine und ein vergoldetes Kupferschild mit dem Namen "Michel de Montaigne" enthält. Die Zweifel sind aber nicht ausgeräumt, denn mit der letzten Ruhe des 1592 verstorbenen Philosophen war es nicht so weit her.

Nach seinem Tod wurde er zunächst in der Kapelle des Klosters Les Feuillants, dem Ort des heutigen Musée d'Aquitaine, beigesetzt und bekam das üppig verzierte Grabmal, das heute zur Museumssammlung gehört. Kaum begraben, begann schon das Umbetten zwischen Kapelle und Klosterkirche. Als aus dem Kloster 1802 ein Gymnasium wurde, wanderte das Grab in die neue Schulkapelle. Nach deren Brand 1871 kamen die Gebeine zunächst auf einen Friedhof und kehrten dann zurück an den alten Ort, wo aus dem Gymnasium die neue Fakultät für Wissenschaft und Literaturstudien entstanden war.

Wenn es ums Sterben gehe, das "zweifellos den bemerkenswertesten Schritt des menschlichen Lebens ausmacht", müsse man aufpassen, dass man es auch wirklich mit dem Tod zu tun habe, schrieb Montaigne in einem seiner "Essays": Denn in keinem anderen Moment wiege man sich lieber in falschen Hoffnungen als in dem der letzten Stunde, die man gern für die vorletzte halte. Ob der Denker bei der ständigen Unruhe seine eigene letzte Stunde für vollbracht hält, ist unbekannt.

Ein großes Team aus Historikern, Archäologen und Genetikern will am Grab nun aber mit Messungen, DNA-Proben, 3-D-Simulation und eingehender Archivforschung zumindest die Ruhe des endgültigen Wissens verschaffen. Per Video wurden die Ergebnisse während der ganzen Woche täglich penibel im Internet dokumentiert. Mit der abschließenden Antwort über die Authentizität des Grabs wird man sich indessen noch etwas gedulden müssen.