Soziologie Zygmunt Bauman ist tot

Zygmunt Bauman schrieb mehr als 50 Bücher.

(Foto: REUTERS)

Der bekannte Soziologe schrieb über die Frage der Identität in der Moderne und galt als Stimme für die Armen in einer globalisierten Welt. Mit 91 Jahren ist er im britischen Leeds gestorben.

Der polnisch-britische Philosoph und Soziologe Zygmunt Bauman ist im Alter von 91 Jahren im britischen Leeds gestorben. Er war einer der prominentesten europäischen Soziologen der vergangenen Jahrzehnte.

In seinen Werken schrieb Bauman über die Frage der Identität in einer modernen Welt, den Holocaust und die Globalisierung. Er galt als starke moralische Stimme für die Armen und Enteigneten in einer globalisierten Welt. Bauman verfasste mehr als 50 Bücher. Das bekannteste davon war die 1989 erschienene "Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust". So interpretierte Bauman den Holocaust nicht als Ausbruch einer irrationalen Barbarei, nicht als Zivilisationsbruch, sondern als ein Produkt der Moderne selbst: "Es war die rationale Welt der modernen Zivilisation, die den Holocaust denkbar gemacht hat."

In den 90er Jahren prägte Bauman den Begriff "liquid modernity" (deutsch: flüchtige Moderne). Damit wird eine zeitgenössische Welt beschrieben, die so schnell voranschreitet, dass sie Individuen ihrer Wurzeln und Bezugsrahmen beraubt. In mehreren Büchern erforschte er die Zerbrechlichkeit menschlicher Verbindungen und die Unsicherheiten, die eine sich konstant wandelnde Welt mit sich bringt.

Bauman wurde am 19. November 1925 in Posen geboren. Als Deutschland in Polen einmarschierte, floh er mit seiner Familie in die Sowjetunion. Dort trat Bauman im Teenageralter einer polnischen Armee-Einheit unter sowjetischem Kommando bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg er im Militär auf. 1953 wurde er aus der Armee entlassen.

Daraufhin studierte Bauman in Warschau Soziologie, dann Philosophie. Nach einer antisemitischen Kampagne in der kommunistischen Partei Polens verlor er im Jahr 1968 seinen Lehrstuhl in Warschau und lehrte zunächst in Israel. Kurz zuvor hatte er unter Protest seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei aufgegeben, der er seit Studentenzeiten angehörte. Von 1971 bis zur Emeritierung 1991 lehrte Bauman als Professor an der Universität Leeds in England. Er wurde unter anderem mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis (1998) und dem Prinz-von-Asturien-Preis (2010) ausgezeichnet.

Nach 62 Jahren Ehe starb seine Ehefrau Janina Bauman 2009. Er hinterlässt seine zweite Ehefrau, Aleksandra Jasinska-Kania, drei Töchter und mehrere Enkelkinder.

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