Soul-Musiker Bobby Womack ist tot:Barde für die schwer Geschlagenen

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Bobby Womack auf einem Archivbild aus dem Jahr 2009

(Foto: AFP)

Er war einer der letzten großen R'n'B- und Soul-Stars und ist trotz diverser Schicksalsschläge in aller nur denkbarer Würde gealtert. Nun ist der amerikanische Sänger, Gitarrist und Songwriter Bobby Womack im Alter von 70 Jahren gestorben.

Von Jens-Christian Rabe

Es gibt in der Popmusik Stars und es gibt Genre-Stars, also die, denen der ganz große Erfolg, die Abermillionen, die Weltberühmtheit verwehrt bleiben - oder erspart, ganz wie man es nimmt. Einer der letzten großen R'n'B- und Soul-Genre-Stars war der amerikanische Sänger, Gitarrist und Songwriter Bobby Womack.

Er schrieb 1964 mit "It's All Over Now" den ersten Nummer-Eins-Hit der Rolling Stones. Der Jazz-Gitarrist George Benson gewann für seine Interpretation des Womack-Werks "Breezin'" einen Grammy und für Wilson Pickett schrieb er mehr als 17 Songs, darunter "I'm In Love", der bis auf den vierten Platz der amerikanischen Billboard-Charts kam. Als Solokünstler bekam er nie einen Grammy und landete auch keinen Nummer-Eins-Hit, allerdings schaffte er es über die Jahre ein Dutzend Mal in die Top-Ten der amerikanischen R'n'B-Charts, mit "Woman's Gotta Have It" 1973 und "Lookin' For A Love" 1974 sogar ganz nach oben. Der wirklich große Ruhm wurde es dann aber doch nicht. Im Gegenteil.

Das Schicksal erwischte Bobby Womack immer wieder außergewöhnlich hart. Los ging das schon Mitte der Sechziger. Da boykottierte ihn die schwarze Community, weil er schon drei Monate nach dem Tod seines Mentors, des Soul-Heiligen Sam Cooke, dessen letzte Frau geheiratet hatte. Später wurde sein Bruder erschossen und zwei seiner sechs Söhne starben. Immer wieder kämpfte er mit Depressionen und schwerer Drogenabhängigkeit. Seit zwei Jahren litt er an Alzheimer.

Später Ruhm dank Tarantino

So Schwarz auf Weiß liest sich das fast wie die Karikatur des Lebens eines Soul-Stars, von denen ja noch mehr als von anderen Popmusik-Stars erwartet wird, die tiefen Gefühle, den ganzen Schmerz, den sie in ihrer Musik beschwören, auch tatsächlich am eigenen Leib erfahren zu haben. Aber Bobby Womack ließ später in Interviews keine Zweifel daran, dass ein einfacheres Leben seiner Kunst bestimmt nicht geschadet hätte.

Dank Quentin Tarrantino immerhin, der Womacks vielleicht fabelhaftesten Song "Across 110th Street" zum Titelsong seiner großen Blaxploitation-Hommage "Jackie Brown" machte, gab es dann Ende der Neunziger doch noch so etwas wie den großen Pop-Ruhm. Damon Albarn schließlich holte ihn 2010 für sein Hip-Hop-Projekt Gorillaz wieder ins Studio und produzierte 2012 sogar das letzte Album Womacks: "The Bravest Man In The Universe". Unüberhörbar angeschlagen klingt die Stimme des Sängers darauf, also angeschlagener, schwächer, brüchiger, als man es sich auch als Oberbarde aller schwer Geschlagenen wünschen dürfte. Aber man verstand sofort, warum heute so viele Stars in Ehrfurcht erstarren, wenn sein Name fällt.

Bobby Womack hat geschafft, was sie sich alle wünschen, aber in diesem Beruf eigentlich nicht vorgesehen ist, wenn man nicht von ihm lassen kann: Er ist wirklich in aller nur denkbarer Würde alt geworden. Knapp vier Monate nach seinem 70. Geburtstag und nur wenige Tage nach seinem Auftritt beim Bonnaroo-Festival in Tennessee ist er nun gestorben.

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