Song "Lazarus":So besang Bowie seinen eigenen Tod

Im Song "Lazarus" inszeniert sich Bowie als biblische Figur. Vielleicht auch, um seinen Fans nun Trost zu spenden - denn Lazarus wurde wiedererweckt.

Von Johanna Bruckner

"Look up here, I'm in heaven", singt David Bowie. Schaut hier hoch, ich bin im Himmel. Es ist die allererste Liedzeile seines zuletzt veröffentlichten Songs "Lazarus". Markante Zeilen. Prophetische Zeilen. So erscheint es zumindest heute, wo die Musikwelt von jener Nachricht erschüttert wird: David Bowie, der talentierteste, wunderbarste Außerirdische, der jemals die Erde beehrt hat, ist tot. Nicht nur unser Musikkritiker Jan Kedves wünscht sich, dass er zurückgefallen sein möge in den Himmel. (Lesen Sie hier seinen Nachruf auf David Bowie.)

Es ist kaum vorstellbar, dass Bowie, der immer schien wie nicht von dieser Erde, einem so furchtbaren irdischen Leiden wie dem Krebs erlegen ist. Aber der Ausnahmemusiker, der noch in der vergangenen Woche sein vielgelobtes 25. Album "Blackstar" veröffentlichte, war schon länger schwer krank, wie Familie und Management nun mitteilen. Man hätte es angesichts von "Lazarus" erahnen können - doch als das Video im Dezember veröffentlicht wurde, sah man einfach nicht, was heute so offensichtlich erscheint. Vielleicht wollte man es nicht sehen.

"I've got scars that can't be seen

I've got drama, can't be stolen

Everbody knows me now

Look up here, man, I'm in danger

I've got nothing left to lose

I'm so high it makes my brain whirl

Dropped my phone down below

Ain't that just like me

Bowie kann das, lässige Selbstironie, aber er kann auch immer noch der größte Star von allen sein. Mit arrogantem Blick und hin und her zuckenden Hüften.

Während Bowie singt, mit seiner unverwechselbaren Stimme, die kein bisschen von Medikamenten gedämpft klingt, sondern so klar wie seine Worte, liegt er auf einem Bett. In einem weißen Leinenhemd, um seinen Kopf eine Mullbinde, an Stelle der Augen zwei Knöpfe. Immer wieder fährt sein drahtiger Oberkörper hoch, den man selbst in der Rückschau nicht als ausgemergelt bezeichnen würde. Sondern: Bowie eben, androgynes Fabelwesen.

Das wirkt im einen Moment, als ziehe ihn eine höhere Macht aus dem Bett, mal, als sei Bowie besessen. Oder flieht er vor jener Gestalt, die da unter seinem Bett lauert, die die Hand nach ihm ausstreckt?

Nein, niemals! "Lazarus" heißt jener letzte, jazzige Song mit dem markanten Saxophon. Lazarus, nach der gleichnamigen biblischen Figur, die an einer Krankheit stirbt und von Jesus wiedererweckt wird, weil dieser es nicht erträgt, seinen Freund zu verlieren. Heute sagte Tony Visconti, Bowies langjähriger Produzent, der Künstler habe seinen Fans ein "Abschiedsgeschenk" machen wollen. Es ist mehr als das: Es ist die Hoffnung, dass David Bowie weiterleben wird, und sei es nur in seiner Musik.

"This way or no way", singt Bowie. Einer wie er, der lässt sich kein Requiem schreiben, der schreibt es sich selbst.

Just like that bluebird

Oh I'll be free

Ain't that just like me

Sehen Sie hier das Video in ganzer Länge:

David Bowie

"Lazarus"

© SZ.de/doer/bavo
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB