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"Schwerkraft und Gnade" der Philosophin Simone Weil:Wo das Ich sich auflöst

AN ENCOUNTER WITH SIMONE WEIL, Simone Weil, 2010. Courtesy Everett Collection !ACHTUNG AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT! PUBLICAT

Jeder Mensch ist ein Gefängnis, in dem ein Gefangener wohnt: Simone Weil.

(Foto: imago images/Everett Collection)

Die Philosophin Simone Weil wuchs in einer wohlhabenden Familie auf, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg, suchte nach einer Religion ohne Gott und gab das Essen auf, bis sie starb. Annäherung an eine sonderbare Heilige der jüngsten Tage.

Von Thomas Steinfeld

Der "wirkliche individuelle Mensch", erklärte Karl Marx in einer Schrift aus dem Jahr 1843, werde erst dann hervortreten, wenn er den "abstrakten Staatsbürger" in sich ausgelöscht habe und "Gattungswesen" geworden sei. Erst, wenn der Einzelne die "gesellschaftliche Kraft" nicht mehr von sich trenne, sondern sie zu seiner Kraft gemacht habe, sei "die menschliche Emanzipation vollbracht". Der Satz zog eine Vielfalt von Verwirrungen nach sich. Denn ist es nicht der "abstrakte Staatsbürger", der den "individuellen Menschen" überhaupt erst hervorbringt: indem sich dieser Bürger darauf verpflichtet, sich als Einzelner unter unendlich vielen Gleichen behaupten zu wollen? Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er alle Entfremdung hinter sich gelassen hat und einfach nur Mensch sein soll? Ein "Gattungswesen" oder etwas anderes? Und überhaupt: Ist das "Gattungswesen" nicht eine Lebensform, mit der ein entwickeltes Individuum nichts zu tun haben will?

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