Taugt Sigmund Freud als Analytiker gesellschaftlicher Zeitphänomene, zum Beispiel, wie Freud vielleicht sagen würde, des „Massenwahns“ Rechtspopulismus? Da wehrt man als zeit- und popgeschichtlich Interessierter womöglich erst mal ab. Der Gedanke an den Wiener Meisterdoktor und seine muffige Therapieliege löst bei vielen heute eher peinliche Gefühle aus. Oder um bei Freud zu bleiben: „Unbehagen“. Die Freud’sche Analyse mit ihrer ständigen Sexbesessenheit – das wurde nach einer sich natürlich wie immer nicht erfüllenden studentischen Heilserwartung in den Theorien der 1960er-Jahre irgendwann zu einer Art Parodie ihrer selbst.
DebatteAch so, die Leute sind komplett verrückt geworden
Lesezeit: 8 Min.

Die freien und reichsten Gesellschaften, die es je gab, arbeiten zielstrebig an ihrer eigenen Abschaffung durch den Rechtspopulismus. Das ist toll – wenn auch leider im Sinne Sigmund Freuds.
Essay von Jost Kaiser
