Siebte Station in Nouadhibou, Mauretanien Nur das Violett und der Wind

Nirgends ist nichts. Auch hier nicht. Aber das Nichts ist hier schon ganz nahe. Er versuchte das ganze auf einer Düne. Einer kleinen. Einer, die ganz offensichtlich wanderte, und auf der es keine knisternden Büsche mehr gab.

Den Sand konnte er auch nicht mehr hören, weil der Wind hier um einen Deut lauter pfiff. Er konnte bald an die tausend Schritte machen, ohne die Augen zu öffnen, und sah nicht nur das Violett tanzen, sondern fühlte auch den Sand über seine nackten Füße abrinnen. Oder er sah das Licht rinnen und den Sand tanzen.

Bald hatte er den letzten Halt, das Zählen seiner Schritte, auch verloren. Es war dann schon irgendwie Nichts. Ein wenig Angst war übrig geblieben. Er könnte auf einen Skorpion steigen oder ... Es fiel ihm kein Oder ein. Aber immerhin. Die vielen Schritte, bei denen er auf keinen Skorpion gestiegen war, machten ihn furchtlos oder unvorsichtig, und so verdrängte er bald auch das bisschen Angst, und es blieben nur das Violett und der Wind. Ein violetter Wind.

Er ging schon zu lange, als dass das noch hätte wahr sein können. Er musste also weg. Der Vogel hatte seine schmierig-klebrigen Gedanken mit auf den Baum genommen, und da war gar nichts mehr übrig.

Die Zahlen waren vergessen, und das Gehen ging von selbst. Das Gehen ging. Er versuchte es rückwärts. So, wie er gekommen war - vorsichtig sich auf das Wenige konzentrierend. Er schaffte es, stehen zu bleiben. Als er stand, bemerkte er, dass das Violett verschwunden war. Ihn fröstelte, und der Wind war lauter geworden. Jedes Sandkorn schien einen Höllenlärm zu machen.

Die Wüste tobt wie eine grüne Hymne

Es war, als steckten tausend kleine Nadeln in seinem Gesicht. Das fühlte sich auch farbig an - aber nicht mehr violett, sondern eher grün. Er ging wieder. Und er zählte. Nach tausend Schritten zuckten seine Lider, nach tausendeinhundert rutschte sein rechter Fuß ab, und nach tausendeinhundertvierundzwanzig lag er auf dem Rücken im Sand und starrte in den Nachthimmel.

Der Mond war eine Sichel wie auf der Mauretanischen Flagge, und die Wüste tobte wie eine grüne Hymne: "Sei Gottes Gehilfe und verurteile, was nicht sein soll, und mache das zum Gesetz, was er zum Gesetz gemacht. Niemand solle es wagen, gut oder böse zu sein außer ihm selbst."

Im Hotel Al Jazira aß er ein Steaksandwich, bei dem das Brot vom Saft des Fleisches vollgesogen war, und in das der Koch Pommes Frites gestopft hatte, um es noch reichhaltiger zu machen. Das Sandwich wollte kein Ende nehmen. Das zähe Fleisch knirschte zwischen seinen Zähnen, und der herbe Geschmack der Soße ätzte seinen Weg in alle seine frisch erwachten Sensorien.