Shortology:Das ganze Leben in vier Symbolen

Michael Jackson, Marie Antoinette und Joseph Ratzinger haben mehr erlebt, als zwischen zwei Buchdeckel passt. Eine Gruppe von Werbern hat Biografien radikal vereinfacht, in Piktogramme gepackt und nennt das: Shortology.

Von Carolin Gasteiger

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(Foto: Fischer Scherz Verlag)

Michael Jackson, Marie Antoinette, Joseph Ratzinger: Sie alle haben mehr erlebt, als je zwischen zwei Buchdeckel passen würde. Eine Gruppe von Werbern hat die Biografien vereinfacht - und in Piktogramme gepackt. Michael Jacksons Biografie umfasst 608 Seiten, den Quentin-Tarantino-Klassiker Pulp Fiction schaut man sich in zweieinhalb Stunden an. Viel zu lange für Sabrina Di Gregorio und ihre Kollegen. Das geht auch schneller - und einfacher, dachten sie sich.

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(Foto: Fischer Scherz Verlag)

Unter dem Motto Shortology erklären die Werber aus Mailand das Leben berühmter Personen schlicht in Piktogrammen, einige davon haben sie nun als Buch veröffentlicht. "Alles und jeder kann in drei oder vier Merkmale gepresst werden, egal ob es sich um ein weltbekanntes Genie oder einen einfachen Mann handelt", erklären sie die Idee dahinter. Aber sie beschränken sich nicht nur auf berühmte Personen, sondern schildern auch Länder oder Filme ironisch mit wenigen Merkmalen.

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(Foto: Fischer Scherz Verlag)

Wie die Idee zu den Bild-Biografien entstand? Zum einen aus einer Leidenschaft, komplexe Strukturen einfach auszudrücken, erklären die Autoren. Zum anderen entsprächen die Kurzbiografien ihrem trockenen, fast zynischen Humor. Den erkennt man in den Piktogrammen - zum Beispiel wenn Marie Antoinette ihr Leben - und ihren Kopf verliert. Die Mini-Lebensläufe sind simpel und viele gerade dadurch witzig. Die Arbeit dahinter ist jedoch alles andere als leicht. Die Piktogramme mit nur zwei oder drei Symbolen seien am schwierigsten, so Di Gregorio. "Aber wenn es klappt, hat man den richtigen Kern eines Charakters gefunden."

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(Foto: Fischer Scherz Verlag)

Bei politischen Phänomenen wie der Mafia ist das gar nicht so einfach. Auf moralische Werte, Meinungen oder Urteile legen die Macher jedoch keinen Wert. Vielmehr wollen sie den Leser dazu anregen, sich seine eigene Meinung zu bilden. Und ganz unpolitisch ist Das Leben in 5 Sekunden auch nicht. "Es ist auf eine spezielle Art demokratisch, Napoleon und Computerspiele auf dieselbe Art abzubilden", so Di Gregorio und ihre Kollegen.

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(Foto: Fischer Scherz Verlag)

Richtig "lesen" kann man ihr Buch nicht. Als beste Art damit umzugehen, empfehlen die Macher, mit Freunden gemeinsam zu raten, wer oder was hinter jedem Piktogramm steckt. Früher oder später fragt sich der Leser außerdem, welche Symbole ihn selbst ausmachen. Dafür bleiben am Ende des Buches eine leere Seite und mehrere Merkmale zum Aussuchen.

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(Foto: Fischer Scherz Verlag)

Auch auf aktuelle Veränderungen reagieren sie. Als Lance Armstrongs Dopingvergehen ans Licht kam, der Papst sein Amt niederlegte, posten Di Gregorio und ihre Kollegen die aktualisierten Biografien auf ihrer Facebook-Seite.

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(Foto: Life in five seconds)

Am Tag der Oscarverleihung widmen sie sich dem Besten Film Argo und seinen Mitkonkurrenten. "Wir können sie jeden Moment anpassen." Innerhalb von fünf Sekunden sozusagen.

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