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"Sharing Heritage":Etwas mit Europa

Chorfenster der ehem. Kirche St. Lambertus in Erkelenz-Immerath

"Sharing Heritage" - dazu gehören auch die Chorfenster der kürzlich abgerissenen Kirche St. Lambertus in Erkelenz-Immerath.

(Foto: Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V.)

Brüssel hat 2018 zu einem riesigen "Europäischen Kulturerbejahr" erklärt. In Deutschland zumindest verliert es sich aber im Vielerlei.

"Je trouve ici mon asile" - "Ich finde hier meine Zuflucht" steht in goldenen Lettern auf der Kanzel der Reformierten Kirche im hessischen Dornholzhausen (Bad Homburg vor der Höhe). Über dem frommen Spruch ist eine weiße Taube abgebildet, die sich auf ein abgesägtes Olivenstämmchen gesetzt hat, das an der Basis frisch austreibt. Man meint die Emblematik zu kennen, aber warum wird in der Dorfkirche eine Fremdsprache gepflegt? Die Siedlung Dornholzhausen wurde 1699 für 40 geflüchtete Waldenser Familien neu gebaut. Das Kanzel-Emblem bezieht sich damit nicht nur auf die Kirche selbst, sondern auch auf die Flüchtlingspolitik des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Homburg. Für die in Frankreich und im Piemont verfolgten Hugenotten und Waldenser, die seit 1685 in mehreren Fluchtwellen in die protestantischen Länder Deutschlands strömten, ließ der Landgraf die Städte seines kleinen Fürstentums erweitern, neue Planstädte und eigene "Kolonien" anlegen, sodass die Zuflucht neue Heimat werden konnte. Auch die Fremdsprachigkeit der neuen Gemeinden war wohl kein Problem, sondern Menschenrecht.

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