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Sexismus:"Ich zeige meine Titten, wenn ich will"

Die Komikerin Amy Schumer wird während einer Show sexistisch beschimpft. Ihre souveräne Reaktion macht aufmerksam auf ein Problem, das viele Frauen in der Öffentlichkeit haben.

Amy Schumer hat gerade erst angefangen mit ihrer Show in Stockholm, da wird sie schon unterbrochen. "Zeig uns deine Titten!", ertönt es aus dem Publikum. Die Komikerin lässt den Störer ausfindig machen: Ein junger Mann, der nach eigenen Angaben ein T-Shirt mit der Aufschrift "Ich liebe Muschis" trägt. Schumer fängt an, ihn zu befragen:"Was machst du beruflich?" Er arbeite im "Verkauf", kommt es zurück. "Wie läuft das so?", will Schumer wissen und fügt gleich hinzu, dass sie ihm seine Geschichte nicht "abkaufe". Dann aber hat sie genug vom Smalltalk und stellt klar: "Wenn du noch einmal rumschreist, kannst du draußen auf dem Parkplatz 'Zeig deine Titten' schreien." Und sie ergänzt: "Ich zeige meine Titten, wenn ich will".

Die Warnung scheint den Mann allerdings nicht abzuschrecken, denn nur ein paar Sekunden später wiederholt er seinen Spruch und wird von Sicherheitskräften aus dem Saal geführt.

Schumer hat Erfahrung mit sexistischen Beschimpfungen

Amy Schumer erhielt für ihre souveräne Reaktion viel Zuspruch in den Medien und den sozialen Netzwerken. Wenn man zynisch sein wollte, könnte man anmerken, dass die 35-jährige ja auch schon recht viel Erfahrung mit sexistischen Beschimpfungen hat. Anfang dieses Jahres veröffentlichte zum Beispiel Jackson Murphy, ein junger Blogger und Filmkritiker, ein Foto auf Twitter, das ihn während einer Preisverleihung zusammen mit Schumer zeigte. Dazu schrieb er: "Habe die Nacht mit @amyschumer verbracht. Sicher nicht der erste Typ, der das geschrieben hat." Schumer reagierte auch hier mit einer Mischung aus Humor und Wut und antwortete: "Ich verstehe. Weil ich eine Hure bin? Ich bin froh, ein Foto mit dir gemacht zu haben. Grüße an deinen Papa."

Wer nun also Amy Schumers lässigen Umgang mit dem Störer in Stockholm feiert, sollte sich auch vor Augen führen, dass die Geschichte damit noch nicht zu Ende erzählt ist. Denn dahinter steht ein sehr ernster, wenig beachteter Sachverhalt: Amy Schumer ist eine starke Frau, die sich polemisch und witzig zu kontroversen Themen äußert. Eine Frau, die das im Jahr 2016 tut, kann sich mit ziemlicher Sicherheit darauf einstellen, massiven Belästigungen ausgesetzt zu sein. Womit natürlich nicht gesagt ist, dass Männer, die sich meinungsstark und öffentlichkeitswirksam äußern, nicht mit Kritik rechnen müssen. Was sich diese Männer allerdings selten anhören dürfen: Kommentare über ihren Körper, Aufforderung zum Sexualverkehr, Vergewaltigungsdrohungen.

Der hässliche, misogyne Alltag im Jahr 2016

Wenn eine Frau in der Öffentlichkeit steht und unbequem ist, muss sie mit sexualisierten Bedrohungen leben. Mitte Juli verabschiedete sich die Schauspielerin und Komikerin Leslie Jones von Twitter. Vorausgegangen war ein tagelanger Shitstorm voll rassistischer und sexistischer Beleidigungen. Der Grund: Sie hatte es gewagt, zusammen mit drei anderen Kolleginnen in einer weiblichen Variante der Horrorkomödie "Ghostbusters" mitzuspielen.

Ein paar Tage später zog sich die feministische Autorin Jessica Valenti aus den sozialen Netzwerken zurück, nachdem ihr jemand eine Vergewaltigungs- und Morddrohung gegen ihre fünfjährige Tochter geschickt hatte.

Man könnte diese Aufzählung nach Belieben fortführen. Wobei es einen gewichtigen Unterschied zwischen den letztgenannten Fällen und Schumers Auftritt in Stockholm gibt: Der hässliche, misogyne Alltag findet in der meist anonymen Welt des Internets statt. Da sitzt dann eine Frau alleine vor ihrem Computer und muss sich fragen, wie sie mit den sexistischen Anfeindungen umgehen soll. In Stockholm dagegen wurde Amy Schumer vor hunderten von Menschen angegriffen, die sich mit ihr solidarisierten. Als Schumer ihr Publikum fragte, ob der Störer rausgeschmissen werden sollte, klatschte der ganze Saal.

Und so zeigt der Schumer-Vorfall im Grunde die ganze Misere in dieser Thematik auf: Eine Frau, die sich zu kontroversen Themen öffentlich äußert, muss sich im Grunde freuen, wenn sie von Angesicht zu Angesicht beleidigt wird.

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