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Sensationelle Knochenfunde in Rom:Schweigen wie ein Grab

Im Vatikan war die Sensation offenbar schon länger bekannt - doch der Papst entschied, das Geheimnis erst jetzt zu lüften.

Kardinäle können schweigen, und sie überlassen das erste Wort auch noch ihrem Chef. "Wir wussten das seit eineinhalb Jahren, aber es oblag allein dem Papst, es zu verkünden", sagte der Hausherr der Paulus-Basilika, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo am Montag über den Sensationsfund. Montezemolo war nicht der Einzige, der bereits wusste, was Papst Benedikt XVI. am Sonntag in einem Gottesdienst zum Ende des Paulus-Jahres bekannt gab: Eine Sonden-Untersuchung in dem 2,4 Meter langen Sarkophag in der Basilica di San Paolo fuori le Mura (Sankt Paul vor den Mauern) hatte bestätigt, dass Knochenteile aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert darin liegen - womit noch mehr als bisher dafür spricht, dass es sich um das Paulus-Grab handelt.

Kardinäle können schweigen: Zum Ende des Paulus-Jahres gab Papst Bendikt XVI. am Sonntag die Entdeckung der Knochenteile bekannt - der Vatikan wusste seit eineinhalb Jahren davon.

(Foto: Foto: dpa)

"Es konnte schon vorher keine Zweifel geben", sagt der deutsche Archäologe Hugo Brandenburg, der die Erkundungen in der Basilika begleitet hat. Graben durfte Brandenburg, Experte für frühchristliche Archäologie und emeritierter Professor der Universität Münster, selbst nicht. "Das hat sich der Vatikan vorbehalten, es ist ja auch sehr delikat."

Seit 2002 hatten Wissenschaftler unter Leitung des Vatikan-Archäologen Giorgio Filippi sich im Altarbereich in den Untergrund vorgearbeitet. 2005 stießen sie auf einen römischen Sarg, etwa einen halben Meter unter einer antiken Marmor-Abdeckung. Darauf kann man die Inschrift lesen: Pavlo Apostolo Mart (dem Apostel und Märtyrer Paulus gewidmet). Im Jahr 2006 hieß es dann, der Vatikan wolle keine weiteren Untersuchungen, und sofort gab es Spekulationen, die Kurie fürchte, man würde herausfinden, dass die Gebeine in dem Grab gar nicht von Paulus stammen könnten.

In der Archäologie gebe es "keine mathematische Sicherheit", sagt Hugo Brandenburg. Aber für die Echtheit des Paulus-Grabes sprächen antike Zeugnisse und archäologische Funde. "Wer dies anzweifeln will, muss schon besondere Gründe haben", sagte der Wissenschaftler der Süddeutschen Zeitung. Das Paulus- und das Petrus-Grab (im Petersdom) seien "die bedeutendsten historischen Denkmäler mit lebendiger Wirkungsgeschichte vom ersten bis zum 21. Jahrhundert".

Schon bei der Entdeckung des Sargs wurde die Theorie vertreten, die Gebeine des Apostels seien beim Bau der Basilika im Jahr 390 umgebettet worden - aus einem Grab, das tiefer, aber an selber Stelle lag. 1823 wurde diese Basilika durch einen Brand zerstört, aber schließlich wieder aufgebaut. Dabei wurde der ursprüngliche Altarraum mit Erde aufgefüllt und darüber ein neuer Altar errichtet - über dem Sarkophag.

Am Montag konnte Kardinal Montezemolo doch noch Neues verkünden: Nun soll der Sarg geöffnet werden. Eine "heikle Arbeit" werde dies, meinte er. Das ist wohl wahr, denn dann wird sich das Rätsel lösen, ob sich das Haupt des im Jahr 67 geköpften Paulus in dem Grab befindet - das derzeit in der Lateran-Basilika, dem Bischofssitz des Papstes in Rom, als Reliquie verehrt wird.