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Selfies prominenter Frauen:Aus der Cloud in die Öffentlichkeit

Da verwundert es, dass man nun in vielen Foren zu hören bekommt, dass die prominenten, mitunter auch nur semibekannten bis viertelprominenten Opfer auch als Täter fungieren. Selbst schuld, ist zu lesen. Wer ist schon so naiv und selbstverliebt, um Nacktfotos von sich mit dem Handy zu machen und das Ganze dann der Cloud anzuvertrauen. Wo man doch weiß, dass es aus der Cloud nur einen Weg wieder heraus gibt: den in die Öffentlichkeit. Muss man sich halt besser schützen. Darf nicht naiv sein. Oder eitel. Und sollte sich gefälligst nicht der iWolke ausliefern.

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Wer ist verantwortlich für die Privatsphäre im Internet?

Der aktuelle Skandal um gehackte Nackt-Selfies von Prominenten wirft eine interessante Frage auf. Konzerne werben mit Datensicherheit, die sie nicht garantieren können. Der Staat versucht gesetzliche Richtlinien festzulegen. Oder liegt die Verantwortung am Ende doch beim Einzelnen?

Frage der Gewalt

Im Grunde sollte man natürlich auch nicht nackt sein. Nein, sollte man nicht. Man sollte auch nicht mit seinem Dackel ein amouröses Verhältnis pflegen.

Der Punkt ist: Das ist (abgesehen vom Dackelschutzbund) eine Frage von Privatheit und Öffentlichkeit, von Macht und Ohnmacht, von Selbstbestimmung und Kontrollverlust. Letztlich ist es eine Frage der Gewalt.

Ja, richtig: Die Selfie-Generation macht sich einschließlich jener Frohnaturen, die ihr gerne angehören wollen, gerade einigermaßen lächerlich und zum Opfer einer Technik, die mehr iTechnik als Kulturtechnik ist.

Da ist der Schweizer Abgeordnete ("Gerigate"), der einer 30 Jahre jüngeren Frau Handy-Nacktfotos von sich selbst schickt - um sich zu wundern, dass sie nach dem Ende der Romanze um die Welt gehen. Da ist, ebenfalls in der Schweiz, die Parlamentssekretärin, die halbnackt in ihrem Büro in Bern posiert, um nicht nur sich selbst, sondern auch die Regierung dem Spot per Posing und Posting preiszugeben.

Da sind all die pornohaften Amateur-Verirrungen und ästhetischen Zumutungen auf Tumblr und anderswo; da sind, in einer Zeit, da sich die Ökonomie der Aufmerksamkeit und die Infantilisierung der sogenannten Eliten kurzgeschlossen haben, die immergleichen, habituellen Korrespondenzen zwischen dem Exhibitionismus der einen und dem Voyeurismus der anderen. Und doch gilt: Privat ist privat. Es geht uns nichts an. Selbst schuld? Das ist der Skandal.

Anm. der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, eine Abgeordnete habe halbnackt im Berner Parlament posiert. Diese Angaben waren falsch. Wir bitten dies zu entschuldigen.