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Älteste Büchersammlung Neapels geplündert:Entlassung zwei Tage vor der Verhaftung

Der zuständige Abteilungsleiter im Ministerium soll der Berufung von De Caro erst "nach massivem politischen Druck", wie es in der italienischen Presse heißt, zugestimmt haben. Merkwürdig auch, dass De Caro von Lorenzo Ornaghi, dem Kulturminister der Monti-Regierung (seit November 2011 im Amt), zunächst in all seinen Funktionen bestätigt wurde.

Jedenfalls hatte man so den Bock zum Gärtner gemacht. De Caro kümmerte sich offensichtlich nicht um die Neuordnung der Bibliothek, sondern betrieb "systematisch mit der Gründung einer kriminellen Vereinigung", so die Staatsanwaltschaft, ihre Plünderung. Auf den Artikel im Fatto Quotidiano riefen circa 2000 Fachleute, Schriftsteller und Intellektuelle Italiens die Regierung zur Überprüfung der Vorgänge in der Girolamini auf. Doch das Kulturministerium zögerte eine Inspektion hinaus. Als schließlich die Diebstähle nicht mehr verheimlicht werden konnten, zeigte De Caro selbst den Verlust einiger Werke an, konnte aber nicht verhindern, dass die Polizei die gesamte Einrichtung beschlagnahmte.

Doch der Direktor blieb weiter auf seinem Posten. Kulturminister Ornaghi erklärte Mitte April im Parlament, er wollte "gelassen" die gerichtlichen Ermittlungen abwarten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Hochstapeleien von De Caro bereits aufgeflogen und auch Vorgänge aus seiner Vergangenheit laut geworden. Unter anderem hatte er in den USA versucht, gefälschte Schriften von Galilei als Originale zu verkaufen. Erst zwei Tage vor seiner Verhaftung, Ende Mai, wurde De Caro vom Minister entlassen.

Inzwischen hat er den Verkauf einiger Bücher aus dem Bestand der Bibliothek für rund 35.000 Euro gestanden - aber nur, weil er angeblich das Geld wieder in die Einrichtung stecken wollte und außerdem durch Auslegen beträchtlicher Summen für Arbeiten in der Bibliothek in Vorleistung getreten sei.

Jetzt liegt sommerliches Schweigen über der Angelegenheit. Im Ministerium herrscht Urlaubsruhe wie bei der Staatsanwaltschaft in Neapel. Die wird vermutlich im September die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen Marino Massimo De Caro beantragen. Über ein Rechtshilfeverfahren hat sie vier Titel der Einlieferungen bei Zisska & Schauer in München beschlagnahmen lassen, die aus den Beständen der Girolamini stammen könnten (aber nicht von De Carlo selbst eingeliefert wurden), wie der Auktionator Herbert Schauer der SZ bestätigte.

Er wolle jetzt das Verfahren abwarten und dann die Biblioteca dei Girolamini bitten, die fraglichen Einlieferungen zu prüfen - und im Einzelfall Beweise vorzubringen, wenn sich darunter noch Titel aus ihren Beständen befinden sollten. Erst nach Klärung dieser Fragen könne er die Titel bei einer der kommenden Aktionen anbieten.

© SZ vom 17.08.2012/feko/pak
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