Bestseller-Fortsetzung von Jonas Jonasson Der Hundertjährige, der sein Herz für Angela Merkel entdeckte

Jonas Jonasson hat erneut die Zwiesprache mit seinem "inneren Allan" aufgenommen, seinem Protagonisten Allan Karlsson.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Nach "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" erscheint nun Band zwei der Allan-Karlsson-Saga.
  • Karlsson und sein Freund Jonsson geraten darin in weltpolitische Verstrickungen zwischen Pjöngjang, New York, Schweden und dem Kongo. Kin Jong-un, Trump und Angela Merkel treten auf.
  • Jonasson verwebt ernste politische Bewertungen und Anliegen in seine Romankomödie, die aber ihr Ziel verfehlen. So hinterlässt dieser zweite Karlsson-Roman gemischte Gefühle.
Von Christoph Bartmann

Im Reich der "gelesenen Literatur" ist Jonas Jonasson, der 1961 in Växjö, Småland geboren wurde, ein König, jedenfalls in Deutschland, dem Abnehmerland Nummer eins für alles Schwedische. Sagenhafte 4,4 Millionen Exemplare seines Debütromans "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand", sind seit 2011 auf Deutsch verkauft worden. Band zwei der Allan-Karlsson-Saga war demnach längst fällig, aber Jonas Jonasson nimmt sich gern Zeit und tut, wie sein hundertjähriger Titelheld, ungern Dinge nur deshalb, weil sie die Welt vielleicht von ihm erwartet.

Der Verkaufserfolg seiner Bücher wird vom Bild des geradezu unverschämt entspannten Autors beflügelt, der in der gotländischen Schreibklause die Maxime seiner Nachbarn befolgt, sich über nichts aufzuregen und, was heute nicht zu erledigen ist, genussvoll zu prokrastinieren. Das Schreiben und Lesen von Jonasson-Büchern hat man sich demnach als eine Art Urlaub vorzustellen, als Urlaub irgendwo im Norden, von dem man sich erträumt, dass er ewig dauern möge.

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Vielleicht hat die spezifische Wohlfühlqualität von Jonassons Büchern mit "lagom" zu tun, dem schwedischen Äquivalent - und wie zu hören ist, vielleicht auch schon Nachfolgetrend - der dänischen Hygge. In ihr ist alles "gerade richtig" fürs Wohlbefinden, von allem nicht zu viel und nicht zu wenig, das Ganze schön ausgependelt zwischen laut und leise, leicht und schwer, ernst und heiter.

Der neue Roman heißt "Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten" und beginnt mit einem Vorwort, in dem der Autor berichtet, wie er eines Tages erneut die Zwiesprache mit seinem "inneren Allan" aufgenommen habe. Die Anrufung seines Helden führt zu einem neuen Schreibvorhaben. Allan Karlsson wird trotz seines vorgerückten Alters gebraucht, "um die Dinge beim Namen zu nennen. Um indirekt zu sagen, wie die Welt stattdessen aussehen sollte." Irgendwie scheint der Autor enttäuscht davon, dass sein erster Roman, der Welterfolg, am Zustand der Welt nichts verändert hat.

Karlsson läuft als Schlemihl, Dampfplauderer und Chefdiplomat zu seiner wahren Bestimmung auf

Wenn schon der neue Roman genauso wenig zur Weltverbesserung beitragen wird, dann soll er doch wenigstens das Bild einer besseren Welt entwerfen. Dazu werden einige namhafte Persönlichkeiten der internationalen Politik als Figuren rekrutiert, etwa Kim Jong-un, Donald Trump, Margot Wallström und Angela Merkel, die nun allesamt die unerwartete Bekanntschaft des nunmehr hundertundeinjährigen Allan Karlsson und seines Buddys Julius Jonsson machen werden.

Der Plot ist sicher geeignet, Jonasson-Fans aufs Neue zu ergötzen, für alle anderen hingegen keine leichte Prüfung. Von ihrem Altersruhesitz auf Bali brechen die beiden Lebenskünstler eher unfreiwillig zu einer Ballonfahrt auf, mit nur etwas Champagner an Bord und der baldigen Notlandung vor Augen. Nach der Wasserung werden die beiden von einem nordkoreanischen Frachter aufgenommen, der fünf Kilo angereichertes Uran aus Afrika in die Heimat bringen soll. In der Folge entstehen dann weltpolitische Verwicklungen rund um das Uran, die Karlsson und Jonsson von Pjöngjang nach New York, von dort nach Schweden und schließlich in den Kongo führen werden.

Wie im Vorgängerroman läuft Karlsson als Schlemihl, Dampfplauderer und Chefdiplomat zu seiner wahren Bestimmung auf. Dass er in seinem Vorleben mit allen Großen dieser Welt in engem Kontakt gestanden hat, diese Erzählidee aus der "Forrest Gump"-Schule, wird auch hier wieder weidlich bewirtschaftet. Allan Karlsson, der im schwedischen Originaltitel keineswegs "die Welt retten" will, sondern nur "dachte, dass er zuviel dachte", dieser ewig muntere Schwadroneur, bekommt in diesem Roman einen ziemlich schweren Job aufgebrummt. Seine burlesken Reisen sollen uns etwas über den wahren Zustand der Welt verraten. Weil aber Karlsson trotz seiner bemerkenswerten Altersrüstigkeit dazu kaum in der Lage ist, muss der Autor selbst einspringen - indem er uns weltpolitisch ein bisschen auf die Sprünge hilft.