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Schwedische Akadamie:Südafrikaner Coetzee erhält Literatur-Nobelpreis

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den Südafrikaner John Maxwell Coetzee. Der 63 Jahre alte Coetzee ist nach Nadine Gordimer der zweite weiße Autor aus Südafrika, der mit der wichtigsten Würdigung der literarischen Welt ausgezeichnet wird.

Zur Begründung sagte die Akademie, Coetzee "porträtiert die Teilhaftigkeit des Menschen an der Vielfalt des Daseins in oft überrumpelnder Weise".

John M. Coetzee schreibt eher wenig, doch jeder seiner Romane war bisher preisgekrönt. Als bisher einziger Schriftsteller hat der 63 Jahre alte Südafrikaner sogar zwei Mal den renommierten britischen Booker-Preis gewonnen, Englands wichtigste Literaturauszeichnung. Der Preisvergabe blieb er als bisher einziger Gewinner allerdings stets fern.

Coetzee, der im vergangenen Jahr sein Heimatland verlassen hat und nach Australien ausgewandert ist, gilt als sehr zurückhaltender Mensch und macht sich in der Öffentlichkeit extrem rar.

Kritiker haben ihn als den "intelligentesten Schriftsteller Südafrikas" gefeiert. Sein Stil ist unterkühlt, fast distanziert, doch seine Prosa geschliffen und eindringlich.

Politisch und poetisch zugleich wirken seine Texte, in denen er sparsam und effizient mit Worten umgeht. Im Mittelpunkt seiner Romane geht es meist um Scham, Schuld und Schicksal, Sühne, Reue und Schande - "Schande" heißt auch eines seiner bekanntesten Werke.

Meist in realistischer Erzählweise leuchtet er die gesellschaftlichen Zustände seiner Heimat oft parabelhaft und allegorisch aus. Seine Figuren sind meist Ausgestoßene, die einsam und isoliert zwischen den Fronten stehen und schmerzhaften Erfahrungsprozessen auf der Suche nach Heimat unterworfen werden.

Das schwierige Zusammenleben in Südafrika zieht sich als roter Faden durch das Werk des als mitunter rätselhaft geltenden Autoren.

Der 1940 in Kapstadt als Sohn eines Anwaltes und einer Lehrerin geborene Coetzee setzt sich meist in Form einer Eltern-Kind-Beziehung mit den Folgen des Kolonialismus und Rassismus auseinander.

Außer mehreren Romanen hat er auch drei Essay-Sammlungen veröffentlicht.

Die Nobelpreise sind mit jeweils umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Sie werden immer am 10. Dezember überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Im vergangenen Jahr hatte der ungarische Autor Imre Kertész die höchste literarische Auszeichnung erhalten. Letzter deutscher Preisträger war 1999 Günter Grass.

(sueddeutsche.de/dpa)