Schriftstellerin Elfriede Brüning ist tot Leni Riefenstahl engagierte Elfriedes Bruder

Elfriede Brüning zeigt auf ein Foto, das sie etwa 1914 zeigt: als kleines Mädchen.

(Foto: Oliver Das Gupta)

Elfriede Brüning lernte dort spätere DDR-Größen wie Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck kennen, auch der 1944 im KZ ermordete KPD-Chef Ernst Thälmann kam vorbei. Ihr hübscher Bruder Wolfgang entfremdete sich von der Familie, nachdem er von Hitlers Lieblingsfilmemacherin Leni Riefenstahl engagiert worden war. Er schnitt ihre Nazi-Propagandafilme über die Reichsparteitage und die Olympischen Spiele.

Elfriede Brünings politisches Engagement wurde ihr im Herbst 1935 fast zum Verhängnis. Ein Spitzel verriet sie bei der Gestapo. In der Untersuchungshaft schrieb sie ein unpolitisches Buch, in Verhören tischte sie den Nazis Ausreden auf. Die Gestapo ließ sie frei, überwachte sie aber weiter. Brüning unterließ jede offene politische Aktivität, heiratete, zog ins Berliner Umland, bekam eine Tochter.

Nach dem Krieg trennten sich die Wege der Eheleute. Elfriede Brüning glaubte nun, dass das bessere Deutschland in der Sowjetischen Besatzungszone entstehen würde: die DDR. Publizistische Aufbauhilfe wollte sie geben. Sie arbeitete wieder als Journalistin, schrieb Sozialreportagen und dazu Dutzende Bücher, die eine Millionenauflage erreichten.

Bei der DDR-Führung eckte Brüning früh an. Sie schrieb einen Roman über eine werktätige Frau, deren Ehe scheitert, und deckte in ihren Artikeln Missstände auf, die im Arbeiter- und Bauernstaat offiziell nicht existierten, wie etwa das Elend in Kinderheimen. "Ich fühlte mich nicht nur dem Sozialismus, sondern auch der Realität verpflichtet", sagt Brüning.

Protokolle, die sie mit deutschen Stalin-Opfern machte, die den Terror überlebt hatten, konnte sie erst in der Endphase der DDR publizieren. Doch nach der Wiedervereinigung wurden fast alle Exemplare des Buches eingestampft.

Wie ein Waisenkind im wiedervereinigten Deutschland

Über das heutige Deutschland sagt Elfriede Brüning: "Ich fühle mich wie ein Waisenkind in diesem Land." Sie ist Mitglied der Linkspartei. Publizistisch tätig sein will sie nicht mehr. In den Fingerspitzen schwinde das Gefühl, sagt sie, und außerdem sei das Farbband der Schreibmaschine leer.

Zwei Kriege hat Elfriede Brüning erlebt, die Verfolgung während der Nazi-Zeit und den Hunger ihrer Kindheitserfahrungen, die sie den Jüngeren ersparen will: "Ich hoffe, dass kommende Generationen nie wieder das erleben, was wir durchmachen mussten."

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