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Schriftstellerin Annie Ernaux:"Man kommt nie wirklich an, wenn man die Klasse wechselt"

Annie Ernaux

Annie Ernaux teilt sich auf in ein schreibendes Ich und eine junge "sie", die sie betrachtet. In ihrem Wohnzimmer 2016.

(Foto: H.Assouline/Opale/Leemage/laif)

Die Autorin Annie Ernaux schreibt wie niemand sonst über Herkunftsscham und die feinen, grausamen Unterschiede, die eine Gesellschaft in ein Oben und ein Unten teilen. Eine Begegnung.

"Et voilà." Da steht sie plötzlich, schlank und grazil, zwei Tassen Kaffee in Händen, die größte Autorin Frankreichs, und lächelt, als hätte sie ihren Gast heimlich dabei beobachtet, wie er sich umsieht in diesem pittoresken Wohnzimmer: Teppiche auf knarzendem Dielenboden, Chaiselongue vor Bücherregalen, taubenblaue Stofftapeten. Die Fenster offen, draußen glitzert das Wasser, die Oise dreht unten im Tal eine letzte Schleife durch den Septembernachmittag, bevor sie hinter den Pappeln langsam mit der Seine verschmilzt. Eine der Katzen hat vor der Tür eine Maus abgelegt und macht sich stolz auf dem Wohnzimmertisch breit. Kurzum: ein bürgerliches Idyll, in einem Haus in Cergy, 40 Minuten außerhalb von Paris.

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