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Schriftsteller Frank Goosen:Die Kunst, gelassen zu nullen

Frank Goosen wird in Kürze 50 - wie der Protagonist seines neuen Romans. Die Midlife-Komödie "Förster, mein Förster" stellt der Ruhrpott-Poet nun im Vereinsheim vor

Der erste Interview-Termin war geplatzt. Frank Goosen musste seine Großmutter zum Arzt fahren - starke Rückenschmerzen. Um das Älterwerden dreht sich auch der neue Roman des Bochumer Kabarettisten und Autors: "Förster, mein Förster" ist eine melancholisch-komische Midlife-Story über einen Mann, der eigentlich mal wieder wegfahren sollte.

SZ: Auf dem Buchrücken steht: "Ein Mann kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag". Sie selbst werden Ende Mai 50. Wollten Sie sich mit dem Stoff etwas von der Seele schreiben?

Frank Goosen: Irgendwie sind meine Protagonisten immer ungefähr so alt wie ich. Ich habe da offenbar ein Bedürfnis, meine Figuren mit mir altern zu lassen. Ich wollte Förster an einem Punkt haben, wo entweder aus ihm selbst heraus oder aus seiner Umwelt heraus zusätzlich Druck aufgebaut wird, dass er an einem bestimmten Wendepunkt in seinem Leben ist. Da bietet sich der 50. eher an als der 51. oder der 49. Das ist zwar ein bisschen platt, aber so ist es ja auch im Leben: Man tendiert dazu, die runden Geburtstage als Punkt zu nehmen, um nachzudenken. Obwohl die eigentlichen Einschnitte im Leben andere sind. Die fallen ja in den seltensten Fällen mit den runden Geburtstagen zusammen.

Försters Freundin Monika sagt im Roman: "Das Älterwerden ist schlimmer als jede OP. Und wenn man nullt, sowieso." Wie gehen Sie persönlich mit dem Nullen um?

Eher träge und faul. Ich habe die ganze Zeit überlegt, meinen Geburtstag zu feiern, zum ersten Mal seit 15 Jahren oder so. Aber wahrscheinlich mache ich das dann doch nicht, weil ich keine Lust habe, ein großes Fest vorzubereiten. Und - das wird vielleicht viele überraschen - ich stehe bei solchen Gelegenheiten nicht so gern im Mittelpunkt. Ich stehe sehr gern im Mittelpunkt definierter Bühnensituationen, und da möglichst vor vielen Leuten. Aber so ein Geburtstag, wo ich die ganze Zeit reagieren und kommunizieren und mich über alles Mögliche freuen muss, das ist nicht so mein Ding.

Ein interessanter Gedanke von Förster zum Thema Älterwerden lautet: "Das Einzige, was früher wirklich besser war, das sind die eigenen Augen und Gelenke."

Ich habe mich geweigert, den Satz hinten aufs Cover zu nehmen. Obwohl es das Gegenteil aussagt, hört es sich so an, als wäre dies etwas Larmoyantes über das Älterwerden. Diese Erinnerung an früher geht einem manchmal so auf die Nerven! Obwohl ich einer bin, der über Erinnerungen schreibt und in Kabarettprogrammen darüber erzählt, aber dieses Gequengel, dass früher alles besser war: das Wetter, der Fußball - fürchterlich! Jede Generation sagt, dass es früher besser war. Das einzige, das früher besser war, war man selber. Man hatte mehr Möglichkeiten, war leistungsfähiger. Aber letztlich, wenn man so will, ist alles die ganze Zeit dieselbe Scheiße. Unser Blick wird gefärbt, weil es uns körperlich heute schlechter geht als früher.

Was wird im Alter besser?

Was mit zunehmenden Alter besser wird, ist die Erfahrung und hoffentlich die Gelassenheit. Weil man vieles, über das man sich aufregen könnte, schon mehrfach erlebt hat.

Förster, ein Schriftsteller im Kreativitätsloch, erlebt im Buch eine Nicht-Lesung in Berlin mit Privatunterkunft. Kennen Sie solche Tour-Desaster ?

Ich bin jetzt seit mehr als 20 Jahren als Kabarettist und Autor unterwegs. Gerade katastrophale Unterkünfte habe ich immer wieder erlebt. Unterkünfte und Situationen, wenn der Auftritt nicht zustande kommt. Die Szene spielt deutlich auf den ersten Aufenthalt von "Tresenlesen", das ich mit Jochen Malmsheimer gemacht habe, in Berlin an, wo wir zwei Wochen in einem Theater in Kreuzberg spielen sollten. Der Geschäftsführer war sehr überrascht, als wir ankamen - er machte das erst seit drei Wochen. Die Plakate lagen zusammengerollt im Büro, und er hat dann so ein Kiez-Faktotum mit Zetteln durch die Kneipen geschickt, um zu verkünden, dass heute Abend Kabarett ist. Von den zehn Vorstellungen sind etwa fünf ausgefallen. Wir sind in unglaublichen Löchern untergekommen, wofür wir auch noch bezahlen sollten.

Einmal Bochum, immer Bochum: Seinen Tourplan richtet der Autor und Kabarettist Frank Goosen nach den Spielen des VfL aus.

(Foto: V. Wiciok)

Das harte Los von Künstlern auf Tour?

Ich sagen Ihnen: Wenn Sie mit Kabarettisten zusammensitzen und über Unterkünfte sprechen, dann bekommen Sie nach dem dritten Bier richtig geile Geschichten.

Was verbinden Sie mit München?

Für jede Stadt gibt es bestimmte Klischees, und manche stimmen auch. München hat schon eine gewisse Lässigkeit, die mit dem im Durchschnitt viel besseren Wetter zu tun hat, meiner Meinung nach. Wenn ich im Frühjahr in München war, war es dort schon viel freundlicher als bei uns zu Hause. Ihr habt natürlich dieses Föhn-Glück.

Föhn kann auch ein Fluch sein, viele jammern dann über Kopfweh.

Wenn ich den Föhn jetzt abkriegen würde, könnte sich das auch bei mir negativ auswirken. Ich komme jetzt in das Alter, in dem ich wetterfühlig werde.

Zeitlos ist Ihre Fußballliebe zum VfL Bochum. Seit 2010 gehören Sie dem Aufsichtsrat an, und ich frage mich, wie Sie das mit Ihren Lesungen und Auftritten in Einklang bringen.

Ich richte meinen Tourplan nach den Spielen des VfL aus - auch wenn ich ab und an pokern muss. Ich kann schlecht meiner Agentur sagen, dass ich prinzipiell nicht am Freitag auftrete.

Wo haben Sie im Februar das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Bayern München verfolgt?

Selbstverständlich im Bochumer Stadion. Den Tag habe ich mir extra freigehalten. Übrigens habe ich mir auch die Termine für das Halbfinale freigehalten, denn ich bin davon ausgegangen, dass wir das Spiel gewinnen.

Nun ja . . .

Eine halbe Stunde lang haben wir uns gut geschlagen, aber in Unterzahl ist ein Rückstand gegen die Bayern für uns derzeit nicht aufzuholen.

Frank Goosen ; Donnerstag, 7. April, 19.30 Uhr, Vereinsheim, Occamstr. 8