In einem Essay über „King Lear“ behauptete John Danby 1961, dass wir Texte großer Schriftsteller nutzen, um in ihnen nach Wahrheit zu suchen. Ich würde das etwas anders formulieren: Wir wenden uns Texten zu – ob großartig oder nicht –, um uns indirekt mit den Unsicherheiten, dem Leid und den Torheiten des menschlichen Lebens auseinanderzusetzen. Wir lesen sie, um Ereignissen und Erfahrungen Form zu geben, die im Chaos zu versinken drohen. Fiktionale Werke sind Erzählungen. Symbolische Formen, in denen Akteure Hindernisse überwinden.
Marbacher Schillerrede 2025Eine Krankheit namens Eigenlob
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Donald Trump zersetzt die Moral und stürzt die Welt ins Chaos. Dabei erinnert er an King Lear aus Shakespeares Drama – die Willkürherrschaft beider Männer gründet in den gestörten Verhältnissen zu ihren Egos.
Gastbeitrag von Eva Illouz
