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Schauspiel:Hübsch verwirrend

Wolfgang Rommerskirchen und David Tobias Schneider in "Der Sturm".

(Foto: L. Vici)

Shakespeares "Der Sturm" in einer Drei-Mann-Version von Joachim Lux im Teamtheater Tankstelle

Von Sabine Leucht

Zwei blutrote Stühle stehen dicht nebeneinander zwischen vier von oben herabhängenden Seilen, während die schmutzig-graue Bodenplane zum Bühnenhorizont hin wie eine Welle ansteigt. Dahinter recken Ariel und Caliban ihre Köpfe empor, sobald der Erzähler sie aufruft. Prospero heißt der in Joachim Lux' Drei-Mann-Version von Shakespeares "Der Sturm", die Dieter Nelle neun Jahre nach ihrer Wiener Uraufführung im Teamtheater Tankstelle nachspielen lässt. Und Shakespeares Zauberer und zwölf Jahre zuvor vertriebener und auf einer Insel gestrandete Herzog von Mailand hat bei Lux auch ein bisschen was vom alternden Dichter, der auf die Figuren seines letzten Stückes zurückblickt. Wütend und ein wenig verbittert, aber zuletzt doch gnädig.

Wolfgang Rommerskirchen spielt diesen Shakespeare/Prospero als nachdenklichen und düster-strengen Spielemacher. David Tobias Schneider ist als untertäniger Luftgeist Ariel ein leichtsinniger, wenn auch nicht leichtfüßiger Tänzer im wolkig-blauen Overall. Und Prosperos plumpen Sklaven und Insel-Ureinwohner Caliban spielt Sophie Meinecke herrlich uneitel mit zu Klauen gekrümmten Füßen und ekligster Nahrungsaufnahmetechnik.

Um aber die ganze Geschichte von Macht und Rache, Sturm, Schiffbruch, Liebe und Versöhnung zu rekapitulieren, in der Prospero mit Ariels Hilfe seine versammelte Feindesschar auf die Insel lockt, springen die drei doch in unterschiedliche Rollen. Sophie Meinecke verwandelt sich flugs in Prosperos hübsche Tochter Miranda, der ein Blick auf den zum Prinzen von Neapel mutierten Ariel genügt - und eine Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf, in der endlich kein "Makel den Anschein von Mirakel überschattet". Die Schauspieler kommen im Laufe des gut neunzigminütigen Abends immer besser ins Spiel und agieren in den nur jeweils für kurze Zeit angenommenen Rollen und lediglich angedeuteten Intrigen immer weniger äußerlich. Um aber die durchaus kluge Fassung über ihren Laborcharakter hinauswachsen zu lassen oder gar ein Feuerwerk im Gehirn zu entfachen, fehlt dem Spiel die Präzision und der Inszenierung letztendlich die Frechheit und der Witz. So wirkt der Abend ein wenig wie das Papierschiffchen, das Prospero anfangs in der Hand hält: Wie eine hübsch-bunte Chiffre für alles Magische und Fleischliche, das in Shakespeares praller Ode an die Vergänglichkeit auf dem "Schaumgebäck" in Inselform herumgeistert. Der Meta-"Sturm" im Teamtheater mag für Kenner des Stückes eine begrüßenswerte Abwechslung sein, gewinnt aber trotz der Masse der darin versammelten Exilanten und Machtspielvarianten keine neue Aktualität. Und für den, der sich die komplexen Handlungsstränge zuvor nicht noch einmal zu Gemüte geführt hat, geht es zudem recht verwirrend darin zu. Noch bis 17. Dezember.

© SZ vom 24.11.2016
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