SchauspielDen Text wiederbeleben

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25 Münchner gründen ein Netzwerk der Theater-Autoren

Von Rieke Wiemann, München

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Die größte Theater-Überraschung in den vergangenen Jahren war zweifelsfrei Ferdinand von Schirach. Nicht nur, weil sein Erfolgsstück "Terror" 2015 gleich mit einer Doppeluraufführung startete, auf zahlreichen großen Bühnen gespielt wurde und noch immer gespielt wird, und die ARD es als interaktiven Fernsehfilm ausstrahlte. Schirach überraschte vor allem deswegen, weil es sein Debüt als Dramatiker war.

In Zeiten der Performance-Kunst gelingt es nur noch wenigen Theaterautoren, ihre Werke zur Aufführung zu bringen. Denn vom klassischen literarischen Drama, wie es einst die alten Griechen lehrten, kehrt sich das Schauspiel heute mehr und mehr ab. Um dem "Tod des Autors", wie ihn 1968 schon Roland Barthes proklamierte, zu trotzen, haben sich nun 25 Münchner Autoren zusammengetan - mit dem Ziel, die kulturpolitische Situation von Schreibenden zu verbessern. Sie sind die bunten Hunde unter den Theaterleuten.

Die Rückkehr zum traditionellen Theater fordern sie jedoch nicht. Vielmehr geht es ihnen darum, den Text wieder Teil des Bühnenkunstwerks werden zu lassen. Theresa Seraphin und Raphaela Bardutzky, die das "Netzwerk der Münchner TheatertexterInnen" gegründet haben, wollen die Debatte über szenisches Schreiben neu anstoßen. Beide haben Dramaturgie an der Theaterakademie in München studiert, beide träumen davon, als Autorinnen Theater zu machen. Dass dies derzeit eine Herausforderung ist, wissen sie. "Nur noch selten werden Stücke uraufgeführt, gar ein zweites Mal gespielt", sagt Bardutzky. Sie selbst schreibt gerade an ihrem ersten dramatischen Werk. "Bei all den neuen Inszenierungstechniken, wie sie etwa auch in den Münchner Kammerspielen entstehen, hat der Text kaum Präsenz."

Ohnehin gilt München nicht gerade als Produktionsstätte von Theatertexten. Szenisches Schreiben lehrt weder die Theaterakademie noch die Ludwig-Maximilians-Universität, auch den Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik hat seit seiner Gründung 2009 noch kein Autor der Stadt gewonnen. "Deswegen möchten wir das Potenzial von Sprache bei Bühnenschaffenden und Publikum wieder in den Fokus rücken", sagt Theresa Seraphin. Zum Beispiel durch Lesungen, bei denen die Autoren ihre Stücke der Öffentlichkeit vorstellen können. Außerdem planen die beiden jungen Frauen Tagungen und eine regelmäßige Schreibwerkstatt. Dabei sollen nicht nur handwerkliche Aspekte des Schreibens diskutiert, sondern auch Textkritik und -präsentation geübt werden.

Da das Netzwerk Künstler verschiedener Sparten umfasst, grenzen sich die Absolventinnen bewusst vom Begriff des Dramatikers ab: Theaterautoren, aber auch Dramaturgen, Schauspieler und Regisseure. "Wir alle kreieren Texte, die in irgendeiner Form etwas mit Darstellung zu tun haben", sagt Seraphin. Ziel ist nicht zuletzt auch die Vermittlung zwischen Theaterschaffenden und -schreibenden. "Viele Performance-Künstler wenden sich nicht an Autoren, aus Angst, dann in ihrer Umsetzung zu festgelegt zu sein", sagt Bardutzky. "Das ist ein Irrtum." Wer selbst Dramen schreibt und Unterstützung bei der Umsetzung benötigt, kann das Netzwerk über seine Facebook-Seite kontaktieren. "Wir stehen im stetigen Austausch", sagen die beide Autorinnen, von der Idee über die Plot-Entwicklung hin zu fertigem Manuskript und Aufführung.

© SZ vom 17.01.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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