Schauplatz Sydney Die Donuts müssen weg

Sydney modernisiert sein Opernhaus für 200 Millionen Euro. Doch Kritiker empören sich über den Einbau von Aufzügen und neuen Bars. Was sie noch nicht ahnen: Auch die Plexiglaskörper unter der Decke müssen wohl weg.

Von Urs Wälterlin

Das Wetter könnte an diesem Morgen im Hafen von Sydney nicht besser sein. Winterliche Sonnenstrahlen glänzen auf den Segeldächern des Opernhauses. Trotzdem ist Nicola Howe bei ihrem Spaziergang düster gestimmt. "Mir wird übel, wenn ich nur daran denke", klagt die 59-Jährige bei einer Verschnaufpause während ihres Spazierganges. Die "passionierte Operngängerin", wie sie sich selbst ausweist, ist eine von vielen Kritikerinnen der Umbauarbeiten am bekanntesten Gebäude Australiens. Das Opernhaus erhält ein Facelift. Doch, so die Kritik, der über 200 Millionen Euro teure Umbau zerstöre die Vision von Jørn Utzon, des dänischen Architekten, der das Sydney Opera House geschaffen hat.

Kontroversen haben schon den Bau dieses Kultursymbols begleitet, das direkt über dem Wasser aufragt. 14 Jahre dauerte es bis zum Richtfest, zehn Jahre länger als geplant. Die Bauarbeiten waren von Skandalen und jahrelangen Streitigkeiten bestimmt. Eine Kostenexplosion und Dispute um das Design endeten im frustrierten Abtritt Utzons, der so empört war, dass er sich für den Rest seines Lebens weigerte, nach Australien zurückzukehren.

Jetzt ist Utzon wieder im Gespräch. Modernisierungspläne prallen auf dessen "Designprinzipien". Für Puristen wie Nicola Howe sind diese heilig - den australischen Verwaltern und Behörden bereiten sie dagegen Kopfzerbrechen. "Wir scheuen uns nicht zu sagen, dass es sich um ein sehr komplexes Vorhaben handelt", gibt Louise Herron für die Körperschaft, die das Opernhaus verwaltet, zu Protokoll. Alternde Technologie, vor allem aber der schwierige Zugang für Konzertbesucher mit Geh- oder Bewegungsbehinderungen sind eine Herausforderung.

Gegen fast jeden Versuch der Modernisierung gibt es jedoch massive Proteste. Die Stadtverwaltung hat vor dem Einbau von Aufzügen gewarnt, weil sie "an den Charakter eines Einkaufszentrums erinnern" würden. Der bekannte Architekt Andrew Anderson meint, Pläne für das Zerschneiden einer Treppe stünden in Konflikt mit Jørn Utzons Vision. "Zugang für Behinderte ist zweifelsohne wichtig für ein Gebäude wie dieses. Aber er darf nicht von der kulturellen Bedeutung ablenken." Andere geraten wegen Plänen gewaltig in Rage, den Restaurant- und Barbereich auszubauen.

Wenig kontrovers sind die Arbeiten, mit denen die Akustik verbessert werden soll. Seit der Fertigstellung des Opernhauses klagt das Publikum über mangelnde Tonqualität in gewissen Zonen des Raumes. "Das Opernhaus von Sydney gehört sicher nicht zu den zehn besten Hallen der Welt", sagt Jürgen Reinhold aus Planegg der SZ, "aber es ist auch nicht schlecht."

Er und sein Kollege Gunter Engel sind damit beauftragt, den Hörgenuss in der mit 2679 Sitzen mächtigen Konzerthalle zu verbessern. Mittels modernster Mikrofontechnik und über Jahre entwickeltem Know-how sind sie mit ihren Mitarbeitern nun auf der Suche, nach dem wirklich perfekten Klang.

Doch es könnte sein, dass sich ihre Arbeit auch optisch niederschlägt. Denn um ihr Ziel zu erreichen, müssten auch die prominenten, wie Donuts geformten Plexiglas-Schallkörper über dem Orchesterbereich ersetzt werden, kündigt Reinhold an. Zum Glück weiß Nicola Howe davon noch nichts.