Schauplatz Stockholm Die ganz echten Wikinger

In Stockholm hat in allerbester Lage ein weiteres Wikingermuseum eröffnet. Noch ein Wikingermuseum. Dabei ist doch ganz Skandinavien voll von denen. Man erfährt aber dafür, wer die Wikinger so verklärt hat und warum.

Von Silke Bigalke

Es steht zwischen den Touristenmagneten Stockholms, zwischen Vasa- und Abba-Museum an einer schicken Promenade gleich am Wasser, wo man teuren Weißwein trinken und dabei auf sehr teure Boote schauen kann. Im April hat es eröffnet: ein Wikingermuseum. Noch ein Wikingermuseum.

Davon gibt es bereits einige. Das Freilichtmuseum Foteviken etwa, ein nachgebautes Wikingerdorf südlich von Malmö, ein weiteres auf der Insel Björkö mit der alten Siedlung Birka. Ein Wikingermuseum in Langhaus-Form steht auf den Lofoten in Norwegen, Oslo hat ein Wikingerschiff-Museum, Roskilde auch. Weitere dänische Wikingermuseen stehen in Ribe, Aarhus, Kerteminde. Und natürlich gibt es eines in Island.

Das neue Museum in Stockholm hat eine Agenda. Es will mit dem Mythos von den starken Nordmännern aufräumen und erklärt, woher der kommt: Eine Gruppe schwedischer Schriftsteller und Dichter, der Gotische Bund, hat sich auf der Suche nach nationaler Identität zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Wikinger beschäftigt und sie dabei kräftig romantisiert. Bei manchen Treffen sollen sie gehörnte Helme getragen haben, wie sie die echten Nordmänner wahrscheinlich nie hatten. Mit ihren Zeichnungen und Gedichten formten sie das falsche Bild vom bärtigen, furchtlosen, seefahrenden Krieger, der Amerika entdeckt und Russland gegründet hat, ein Bild, das später auch der nationalen Propaganda diente und das sich bis heute hält. Im Museum erklärt dann ein Geschichtsprofessor im Video, dass diese Version zwar super für die Tourismusindustrie, sonst aber irreführend sei.

Die Männer waren erstaunlich reinlich - und die Frauen ziemlich emanzipiert

Die Ausstellung zeigt, dass Wikinger zwar Seefahrer und Plünderer waren, aber auch Siedler, Handwerker und Händler, dass sie vermutlich ungewöhnlich reinlich und ihre Frauen ziemlich emanzipiert waren. Das Museum setzt dabei mehr auf kurzweilige Videos als auf Schaukästen. Der Rundgang endet mit einem Dark Ride: Elf Minuten fahren die Besucher in einer Gondel an Szenen aus der Geschichte von Ragnfrid und Harald vorbei. Harald hat Geldsorgen. Er braucht drei Fässer Silber, sonst muss er seine Tochter notverheiraten. Seine Frau Ragnfrid schickt ihn nach Miklagård, Konstantinopel, um Leder und Sklaven zu verkaufen. Vor dem Abschied prophezeit ihm eine Seherin Unglück für die Reise. Harald wird überfallen, beraubt, muss sich als Krieger verdingen und plündert schließlich gemeinsam mit den Norwegern, um doch noch an sein Silber zu kommen.

Am Ende ist das Ganze eher Abenteuer mit ein wenig Aufklärung. Zum Glück gibt es in der Ausstellung den Hinweis darauf, dass das Historische Museum gleich um die Ecke liegt - samt großer Wikinger-Ausstellung. Dort wird schon lange mit Vorurteilen über die Wikingerzeit aufgeräumt, ganz ohne Dark Ride, dafür mit vielen echten Ausgrabungsstücken.