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Schauplatz Ramallah:Wolke voller Wünsche

wooden cloud Ramallah

Ein junger Palästinenser steht vor dem Werk " Die hölzerne Wolke" des deutschen Künstlers Martin Steinert in Ramallah.

(Foto: AFS)

Die Befindlichkeit einer Stadt: Der Künstler Martin Steinert hat im Westjordanland seine Skulptur "wooden cloud" errichtet.

Von der Ferne sieht es wie ein überdimensioniertes Vogelnest aus, das sich im Al Istiqlal Park mitten in Ramallah, dem Zentrum des Westjordanlandes, aus dem sandigen Boden erhebt. Wer sich nähert, sieht die filigrane Struktur der Skulptur: Aus Holzlatten ist diese "hölzerne Wolke" des deutschen Künstlers Martin Steinert mit einem Durchmesser von rund vier Metern entstanden, die sich schneckenförmig windet und begehbar ist.

Rund zweitausend Holzlatten sind bereits verarbeitet, etwa die Hälfte davon schon beschriftet. "Wir laden die Menschen dazu ein, ihre Ängste, ihre Wünsche, ihre Hoffnungen aufzuschreiben. So wird eine Momentaufnahme der Befindlichkeit einer Stadt daraus", erklärt Steinert.

2015 hat er mit seinen "wooden cloud"-Installationen in seiner Heimatstadt Saarbrücken in der Johanneskirche begonnen. Dann folgten weitere Projekte in Sankt Petersburg, Berlin, Paris und nun Ramallah. Jedes Kunstwerk unterscheidet sich in seiner Größe und Struktur. Von jedem Werk gibt es eine Fotodokumentation von Andre Mailänder, die Französin Mathilde Nodenot arbeitet an einem Film.

Noch sind nicht alle Holzlatten verarbeitet. Rund 2500 werden es am Ende sein, schätzt Steinert. Kommenden Sonntag ist die offizielle Eröffnung des vom Goethe-Institut in Ramallah und dem saarländischen Kultusministerium unterstützten Projekts. Während Steinert und sein Team, das aus drei weiteren Personen besteht, im Schatten eine Pause einlegen, kommen zwei Teenager heran und fragen nach Stiften. Aktham heißt der eine, Waleed der andere. Beide wünschen sich "Frieden". Für sich und für ihr Land Palästina, wie sie erzählen. Sie kommen aus Hebron und sind gerade zu Besuch bei ihrem Onkel in Ramallah. Aus den Medien haben sie von dem Projekt erfahren und sind extra in den Park gekommen, um mitzumachen.

"Es gab eine Menge Skeptiker, und es macht Spaß, wenn man erlebt, wie die Menschen mitmachen. Manche bedanken sich dafür, dass man mit so einer Idee in ihre Stadt kommt", berichtet Steinert. Die Reaktionen seien sehr positiv, manche signalisierten angesichts der Sprachbarrieren mit hochgereckten Daumen, dass ihnen die Installation gefällt. Seine ursprüngliche Annahme, dass die Wünsche weltweit ähnlich seien, sieht Steinert bisher "im großen und ganzen bestätigt". Frieden und Gesundheit kämen am häufigsten vor.

Hier in Ramallah sind aber auch politische Botschaften zu finden. Der Wunsch nach einem Ende der israelischen Besatzung und die Forderung einem eigenen palästinensischen Staat tauchen mehrfach auf. "Ramallah ist für die Idee des Projekts sehr ergiebig. Uns interessiert sehr, wie ticken die Menschen hier, was treibt sie um", sagt Steinert.

Die Installation in Ramallah soll mehrere Jahre bleiben, während Steinert mit seinem Team und seinem Projekt weiterzieht: Die nächste wooden cloud entsteht im kommenden Jahr in Prag auf einer Insel in der Moldau in Sichtweite der Karlsbrücke in der Form eines Bootes.