Schauplatz Kapstadt Der Fluch der bunten Häuschen

Touristen lieben das putzige, alte Stadtviertel Bo-Kaap, besonders solche aus dem arabischen Raum. Leider lieben es auch Developer. Die Gentrifizierung vertreibt viele der alten Bewohner.

Von Tobias Zick

Es gibt wenige Städte auf der Welt, die sich so unterschiedlich definieren lassen. Für die einen ist Kapstadt die Ruhestandsmetropole zwischen Strand und Weinbergen. Für andere - die große Mehrheit - ist es der Ort zugiger Wellblechhütten und langer Pendelwege in Sammeltaxen. Wieder andere sehen in Südafrikas zweitgrößter Stadt den angehenden Weltmarktführer im Wachstumssektor Halal-Tourismus.

Nach einer Studie ist Kapstadt unter muslimischen Urlaubern besonders beliebt, und darauf will die Tourismusbehörde nun noch stärker bauen. Eine der Hauptattraktionen, direkt angrenzend an das zentrale Geschäftsviertel, ist Bo-Kaap, ein Stadtteil mit strahlend bunten Häuschen und der ersten Moschee des Landes. Die Bewohner sind mehrheitlich Nachfahren muslimischer Sklaven, die im 17. und 18. Jahrhundert von den Holländern aus Malaysia und Indonesien ans Kap verschleppt wurden. Es ist eine urbane Parallelwelt, die sogar die Jahrzehnte der auch stadtplanerisch verheerenden Apartheid-Politik überlebt hat. Jetzt ist diese Welt bedroht, und die Bedrohung heißt Gentrifizierung.

Denn nicht nur Touristen, auch Immobilienkäufer aus dem In- und Ausland lieben Kapstadt, und pittoreske Stadtviertel mit bunten Häuschen lieben sie ohnehin. Auf diese Liebe, die sich in wild steigenden Preisen äußert, können viele der ursprünglichen Bewohner des Bo-Kaap wenig erwidern, sie ziehen weg.

Bald soll in dem Viertel der Bau eines architektonischen Flaggschiffs der neuen Zeit beginnen: eines 17-stöckigen, spitz zulaufenden Glasbaus; einer Art afrikanischer Elbphilharmonie, nur ohne Wellen im Dach und ohne Kultur darunter, statt dessen 117 Luxusapartments und eine Fitness-Oase mit Panoramablick. Mehr als die Hälfte der Wohnungen sind laut Auskunft der Developer schon verkauft. Wer Kapstadt nicht nur sonnig und hip erleben will, sondern auch halal, sollte sich also beeilen.