"Saw Spiral" im Kino:Ausgespielt

Saw: Spiral

Verfolgt von seltsamen Kringeln - Samuel L. Jackson in "Saw: Spiral".

(Foto: Studiocanal)

Das "Saw"-Reboot "Saw Spiral" setzt auf ein hochaktuelles Thema: Polizeigewalt. Wird die Gemetzel-Filmreihe endlich erwachsen?

Von Helena Zacher

Diese verdammte Spirale. Auf Wänden, Autos, Wangen leuchtet sie dem Zuschauer entgegen - Zeichen für Fortschritt und Wandel soll das Symbol sein. Wie so vieles im Universum der Horror-Splatter-Reihe "Saw" ist auch ihr Markenzeichen der Versuch, Horroreffekten und Grausamkeit im Kino eine Legitimation zu verschaffen. Das Thema des neuen Films "Saw: Spiral" ist diesmal sogar hochaktuell - das lässt nach acht fast identischen Vorgängern in der Reihe aufhorchen.

Es geht um Gewalt, Willkür und Gesetzesbrüche bei der amerikanischen Polizei, was dann auch Stars wie Chris Rock und Samuel L. Jackson angezogen hat - sie spielen New Yorker Cops. Ihr Gegner ist nicht mehr der Mastermind des Bösen John Kramer alias Jigsaw, der bisher für Schrecken sorgte. Der hatte es auf Menschen abgesehen, die das Leben zu wenig schätzten. Stattdessen ist ein Trittbrettfahrer von Jigsaw am Zug: Copy Cat geht auf die Jagd nach korrupten Polizisten. Und davon gibt es reichlich, Korruption hat eine lange Tradition bei der NYPD. Auch in "Saw Spiral".

Um dem Killer auf die Spur zu kommen, werden der von Chris Rock verkörperte Polizist Zeke sowie dessen Partner William Schenk (Max Minghella) auf den Fall angesetzt. Besonders Zeke hat einen persönlichen Bezug zu den Motiven des Mörders - denn nachdem er vor Jahren einen korrupten Kollegen verraten hat, wird er im Revier wie ein Aussätziger behandelt. Immer wieder wechselt der Film daher zwischen kühlen Rückblenden und noch kälterer Gegenwart.

Trotz der spannenden Thematik und den Bemühungen von Regisseur Darren Lynn Bousman, seinen Protagonisten Vielschichtigkeit und Vergangenheit anzudichten, kann der Film nicht überzeugen. Das Schauspiel ist überdreht, die Handlung zu einfach. Wenn sich geschulte Beamte in eine verlassene Lagerhalle begeben und während der Jagd nach einem skrupellosen Killer in aller Seelenruhe ihr Handy hervorkramen, während sich aus dem Schatten eine Gestalt löst, hat man wenig Mitleid mit ihrem unvermeidlichen Schicksal.

Noch immer tun die Szenen fast körperlich weh - für eingeschweißte Fans der Reihe sicher Grundvoraussetzung, für ahnungslose Neugierige aber eine Zumutung. Denn wenn Zungen und Finger ausgerissen werden und die Brutalität scheinbar keine Grenzen kennt, das Ganze aber schlecht gespielt ist, setzen automatisch Fluchtreflexe ein. Die könnten durch etwas Humor wenigstens abgeschwächt werden, was wohl der Plan mit dem Comedian Chris Rock war - aber auch davon ist nicht viel übrig geblieben. So wünscht man sich am Ende nur, die Reihe möge nun endgültig abgeschlossen sein.

Spiral, USA 2021 - Regie: Darren Lynn Bousman. Buch: Josh Stolberg, Pete Goldfinger. Kamera: Jordan Oram. Mit Chris Rock, Samuel L. Jackson, Max Minghella, Marisol Nichols. Studiocanal, 93 Minuten

© SZ
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