"Saving Mr. Banks" im Kino Fit machen für die Ewigkeit

Kinostarts - 'Saving Mr. Banks' HANDOUT - Die Schauspieler Tom Hanks als Walt Disney und Emma Thompson als Pamela ´P.L." Travers in einer undatierten Filmszene des Kinofilms ´Saving Mr. Banks". Die dramatische Komödie kommt am 06.03.2014 in die deutschen Kinos. Foto: Francois Duhamel/Disney Enterprises, Inc./dpa (zu dpa-Kinostarts vom 27.02.2014 - ACHTUNG - Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Film und nur bei Urheber-Nennung ´Foto: Francois Duhamel/Disney Enterprises, Inc./dpa" bis 05.07.2014!) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Superkalifragilistischexpiallegetisch: Der Film "Saving Mr. Banks" erzählt, wie die strenge britische Kinderbuchfigur Mary Poppins disneyfiziert wurde - gegen den Willen ihrer nüchternen Schöpferin.

Von Susan Vahabzadeh

Von Helmut Dietl stammt der schöne Satz, in Los Angeles scheine die Sonne so viel, dass man anfängt, vom Regen zu träumen. Auf jeden Fall ist diese Stadt keine artgerechte Umgebung für griesgrämige Engländer. Wer der ursprünglichen Mary Poppins einmal begegnet ist - der aus den Büchern, nicht der Filmfigur, die Disney aus ihr machte - kann sich lebhaft vorstellen, dass ihrer Schöpferin Pamela Lyndon Travers dieses Kalifornien als Gesamtkonzept suspekt war. Keiner kann Abstand halten. Viel zu sonnig. Und bonbonfarben.

John Lee Hancock ("The Blind Side") erzählt nun also, wie diese P. L. Travers 1961 nach Los Angeles fährt, in die Disney-Studios. Emma Thompson spielt sie, noch viel übellauniger und zickiger als Ms. Poppins selbst es ist. In den Studios arbeiten die Komponisten Richard und Robert Sherman und der Autor Don DaGradi daran, aus Mary Poppins einen Musical-Star zu machen. Warum ihnen Oberboss Walt Disney (Tom Hanks) diese Frau ins Nest setzt, ist ihnen nicht ganz klar. Sie kriegen es aber bald heraus: Zwanzig Jahre lang hat er die Schriftstellerin verfolgt, weil er unbedingt ihre Kinderbücher verfilmen wollte - und sie hat immer noch nicht den Vertrag unterschrieben.

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Kitschige Mäuse

Warum? Sie findet Zeichentrick im Allgemeinen und Disneys Mäuse im Besonderen widerlich kitschig, Musicals sind ihr ein Graus, und überhaupt geht ihr die gesamte zuckersüße Disney-Tour gegen den Strich. Und nun hat Walt Disney einfach schon mal losgelegt, ihr zugesagt, all ihre Einwände würden berücksichtigt, und sie hat sich im Gegenzug aufgemacht, DaGradi und die Shermans zu nerven - und auch das nur, weil sie pleite ist.

Das ist die Versuchsanordnung, in der die Disney-Jungs versuchen, der ältlichen Dame vom anderen Ende der Welt ihre Version der perfekten Gouvernante schmackhaft zu machen. Die Original-Mary-Poppins, die bei der Familie Banks auftaucht, hat einen Draht in magische Welten und sie weiß immer ganz genau, was Kinder brauchen - aber nett ist sie nicht. In der Disney-Variante wird sie lieblicher, sogar richtig charmant. Disney und seine drei Mitstreiter pirouettieren nun vor Travers, säuseln, singen, schieben ihr doch die eine oder andere Trickfigur in einem Realfilm unter, geben nach - und es ist eine Freude, dabei zuzusehen.

Was schon daran liegt, dass Hanks und Thompson gute Arbeit leisten, befeuert von all den kleinen Verweisen auf das Film-Musical, das Disney dann tatsächlich 1964 mit Julie Andrews drehen ließ, und, wie die Disney-Mary sagen würde, den superkalifragilistischexpiallegetischen Melodien, die den Film durchziehen.