SAP-Gründer Hopp: NS-Erbe des Vaters Verlorene Brüder

Sie wollten den Namen Hopp erst streichen lassen: Jetzt geht der Hopp-Clan offen mit dem NS-Erbe des Vaters um. Ein Buch und ein Film wurden gefördert.

Von Thomas Hummel

Auf dem Mannheimer Bahnhofsplatz steht inmitten des Fußgängerbereichs ein Verkehrsschild wie viele andere Verkehrsschilder auch - in schwarzer Schrift auf gelbem Grund ist da zu lesen: Gurs 1170 km. An diesen Ort in Südfrankreich wurden die badischen Juden im zweiten Weltkrieg deportiert, die meisten von ihnen kamen später nach Auschwitz.

Der berühmte Bruder: SAP-Gründer und Mäzen des TSG Hoffenheim Dietmar Hopp.

(Foto: Foto: dpa)

Viele Menschen tummeln sich an diesem Samstag auf dem Bahnhofsplatz, die meisten haben blau-weiße Schals um den Hals und eine Bierflasche in der Hand. Andere tragen grüne Berufskleidung, sind bisweilen mit Helmen, Schlagstöcken und Schutzanzügen ausgerüstet.

Es ist Fußballtag in Mannheim, der Emporkömmling aus Hoffenheim spielt hier im Carl-Benz-Stadion, weil die eigene neue Arena noch nicht fertig ist. Fußballfan trifft Polizist - das Verkehrsschild nach Gurs beachtet niemand. Zwei Fahrräder sind daran angekettet.

Die Fußball-Bundesliga und das frühere Konzentrationslager Gurs haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Vermutlich ist die Familie Hopp derzeit die einzige, die oft an beides denken muss.

Der Name Hopp taucht auf

Dietmar Hopp, Mitbegründer der Softwarefirma SAP und Multimilliardär, hat den Dorfklub TSG Hoffenheim als Mäzen bis an die Spitze des deutschen Fußballs gebracht. Weniger Freude als das Projekt Fußball bereitete der Familie indes ein Buch, das sie vor ein paar Jahren überreicht bekam und in dem der Weg der zwei jüdischen Brüder Mayer nachgezeichnet ist.

Zweier Brüder, die samt ihrer Familie aus Hoffenheim nach Gurs gebracht worden waren und deren Eltern später in Auschwitz starben. Die selbst über verschlungene Wege gerettet wurden, sich nach dem Krieg trennten, in die USA beziehungsweise nach Israel auswanderten. Die ihre deutschen Pässe wegwarfen und ihre Namen änderten: Aus Manfred Mayer wurde der Amerikaner Frederick Raymes, aus Heinz Mayer der Israeli Menachem Mayer.

Und die nach mehr als 50 Jahren ihre Erinnerungen aufschrieben, weil sie Briefe der Mutter aus dem KZ gefunden hatten und die Kinder nach den Großeltern fragten. In diesen Erinnerungen taucht auch der Name Hopp auf: Emil Hopp, Vater der Geschwister Dietmar, Rüdiger und Karola, zur NS-Zeit SA-Truppführer in Hoffenheim.

"Da sind wir schon ziemlich erschrocken", gesteht Rüdiger Hopp, der 69-jährige, in der Öffentlichkeit kaum bekannte ältere Bruder von Dietmar. Die Hopps lasen dort, dass der Vater 1935 mit zwei Kameraden in die Hoffenheimer Synagoge eingebrochen war und die Gruppe sich eine Prügelei mit dem Vater Mayer lieferte. Die Mayers wohnten in der Dienstwohnung der Synagoge.

Und Emil Hopp war es auch, der am Morgen nach der Reichspogromnacht am 10. November 1938 auf Befehl ein paar SA-Leute in Hoffenheim zusammentrommelte und das jüdische Gebetshaus endgültig zerstörte. Die Mayers mussten bei Freunden unterschlüpfen. Zwei Jahre später schickte sie die Gestapo nach Gurs.

Zwar sei die damalige Rolle des Vaters bekannt gewesen, sagt Rüdiger Hopp, doch über Einzelheiten habe man geschwiegen. Da unterscheidet sich die Familie Hopp nicht weiter von vielen anderen deutschen Familien. Und wenn doch mal etwas hochkam, habe sich Vater Emil auf den Befehlsnotstand unter Hitler berufen. Der 68-jährige Dietmar Hopp, meint: "Mit mir hat der Vater nie darüber gesprochen."

Lesen Sie auf Seite 2, wie offensiv die Geschwister Hopp mit der NS-Vergangenheit ihres Vaters umgehen.