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Ryan O'Neal zum 70.:Bis auf die Knochen

Nach "Love Story" hätte er ein ganz Großer in Hollywood werden können. Doch sein Privatleben nahm bald die Form einer Seifenoper an - und dann schnappte ihm seine eigene Tochter auch noch den Oscar weg. Nun wird Ryan O'Neal 70.

Anke Sterneborg

Kaum zu glauben, dass dieser Junge heute siebzig Jahre auf dem Buckel hat - dem Altern, dem Mannwerden hat sich Ryan O'Neal in gewisser Weise immer entzogen. Hat sich einen jungenhaften Charme bewahrt, eine unverwüstliche Jugendlichkeit, mit seinem ein wenig scheuen, immer einen Hauch betretenen Lächeln, dem romantisch verhangenen Blick aus blauen Augen, den widerspenstig dunkelblonden Locken. Und es war ein Film, der dieses Bild für immer fixierte, der Oliver in "Love Story", an der Seite von Ali MacGraw.

Ryan O'Neal wird 70

Mit knapp 30 Jahren erlebte Ryan O'Neal den Höhepunkt seiner Karriere, in "Love Story" an der Seite von Ali McGraw. Er hätte ein ganz Großer in Hollywood werden können. Doch sein Privatleben nahm bald die Form einer Seifenoper an. Und sorgte vor allem für Negativschlagzeilen.

(Foto: dpa)

Nach einer unsteten Schulkarriere in Amerika und München arbeitete Ryan O'Neal als Amateurboxer und als Rettungsschwimmer, bevor er auf Vermittlung seiner Eltern als Stuntman beim Film Arbeit fand. In den sechziger Jahren hat er sich dann mit einer prominenten Rolle in der frühen Fernsehsitcom "Peyton Place", neben Dorothy Malone und Mia Farrow, einen Namen gemacht.

Später mogelte er sich immer wieder mit kleinen und großen Gaunereien, in kleinen oder in spektakulären Filmen, aus dem Ernst des Lebens heraus - als Bankräuber im Wilden Westen von Blake Edwards' "Missouri/Wild Rovers", als Kartenbetrüger und Deserteur in Kubricks "Barry Lyndon", als Trickbetrüger, der durchs ländliche Amerika der Depressionsjahre zog in "Papermoon", unter der Regie von Peter Bogdanovich - die zweite der drei wunderschönen Rollen, die Bogdanovich ihm Anfang der Siebziger anvertraute.

Zuvor hatte er den schusseligen Professor Howard Bannister in "Is' was, Doc?" gespielt, der sich der Musikarchäologie verschrieben hat und in San Francisco in ein atemraubendes Kofferverwechselchaos verwickelt wird - Barbra Streisand ist der Dynamo, der ihn dabei in Bewegung hält, mit ihrem forsch frechen Liebeswerben spannt sie ihn der Verlobten aus und macht ihm die bürgerliche Karriere madig. Eine fetzige Hommage an den Komödienmeister Howard Hawks und seinen Lieblingsdarsteller Cary Grant.

Auch in "Papermoon" hatte Ryan O'Neal eine patente Partnerin, seine eigene Tochter, die ihm altklug und von allen Skrupeln frei in seinen betrügerischen Auftritten unterstützte und dafür mit einem Oscar bedacht wurde - mit zehn Jahren! In "Nickelodeon", dem dritten Film mit Bogdanovich, spielte O'Neal einen an Cecil B. DeMille erinnernden Filmemacher, der sich ins noch junge Geschäft mit den bewegten Bildern wagt.

Amour fou, ganz cool und clean

In gewisser Weise ist die Karriere von Ryan O'Neal ein uneingelöstes Versprechen geblieben (ähnlich der von Peter Bogdanovich), denn es gab tatsächlich eine Zeit, in der es so aussah, als könnte er in derselben Liga wie Robert Redford oder Dustin Hoffman oder wenigstens James Caan spielen. Vielleicht wären die Dinge anders gelaufen, wenn es zu den Auftritten in "Der Pate" - er war als Michael Corleone im Gespräch gewesen - oder in "Rocky" gekommen wäre. Dass er nicht nur romantisch, sondern richtig hart sein konnte, zeigte er als stoisch rasanter Fluchtfahrer in Walter Hills Siebziger-Film-noir "Driver".

Doch kaum eine Dekade sollte der Erfolg für Ryan O'Neal dauern. 1969 war er noch für den Oscar nominiert worden, für Arthur Hillers tränen- und schmerzenreiches Liebesmelo "Love Story". Als Oliver Barrett IV. verteidigt er da seine absolute Liebe zu der Musikstudentin Jenny - gespielt von Ali MacGraw - gegen seinen konservativen Vater, nur um sie dann im Kampf gegen Leukämie zu verlieren. Eine Amour fou, aber ganz cool und clean.

Der kurze Ruhm sorgte freilich schon dafür, dass Ryan O'Neal im Gedächtnis des Kinos ewig jung bleiben durfte, während er beruflich zu seinen Anfängen im Fernsehen zurückkehrte und sein Privatleben die Form einer Seifenoper annahm, mit allerlei schillernden Affären - unter anderem mit Bianca Jagger, Diana Ross, Ursula Andress und der langjährigen Lebensgefährtin Farrah Fawcett -, mit schrecklichen Krankheiten und Drogenexzessen, Gewaltausbrüchen und der Entfremdung von seinen vier Kindern aus drei Beziehungen.

Seit 2005 ist er in der Fernsehserie "Bones" zu sehen, wo er als ebenso unkonventioneller wie hingebungsvoller Daddy der forensischen "Knochenjägerin" Dr. Temperance Brennan ein sehr viel besseres Vaterbild abgibt als im echten Leben.

© SZ vom 20.04.2011/dato/rus

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