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Entschuldigungsbrief von Ryan Adams:"Ich verstehe, dass es kein Zurück gibt"

Ryan Adams

Sieben Frauen haben dem Sänger unter anderem emotionalen Missbrauch vorgeworfen.

(Foto: Jordan Strauss/dpa)

Der Indie-Popstar, dem mehrere Frauen sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen haben, entschuldigt sich in einem offenen Brief - reuevoll, aber recht vage.

Von Thilo Eggerbauer

Anfang 2019 wurde dem amerikanischen Indiepop-Star und Songwriter Ryan Adams von mehreren Frauen emotionale Misshandlung und sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen. Unter den Anklägerinnen waren nicht nur weltbekannte Künstlerinnen wie Pheobe Bridgers, Liz Phair oder Karen Elson, sondern auch Adams Ex-Frau, die Hollywood-Schauspielerin und Sängerin Mandy Moore. Nun hat sich Ryan Adams in der britischen Tageszeitung Daily Mail reuig gezeigt.

In dem offenen Brief, den die Daily Mail veröffentlicht hat, schreibt Adams, er finde keine Worte dafür, wie schlecht er sich fühle angesichts dessen, wie er "Menschen sein ganzes Leben lang" und durch seine "ganze Karriere hindurch schlecht behandelt" habe. Alles, was er sagen könne, sei, dass es ihm leid tue. Und: "Ich verstehe, dass es kein Zurück gibt."

Adams wählt im englischen Original das Wort "mistreat", das sich zwar theoretisch auch mit "misshandeln" übersetzen lässt, im Alltagsgebrauch aber am ehesten für "schlecht behandeln" steht. Wofür genau Adams sich entschuldigt und wovon es kein "Zurück" mehr gibt, bleibt also weitestgehend Interpretationssache.

Karrierehilfe gegen sexuelle Gefälligkeiten

Um die Tragweite zu verstehen, hilft es damit, die Vorgeschichte zu kennen: Adams, so die Vorwürfe, habe jungen Musikerinnen Karrierehilfen in Aussicht gestellt, diese allerdings an sexuelle Gefälligkeiten geknüpft. Außerdem berichtete die New York Times von einem sexuell eindeutigen Videochat mit einer Frau, die zu diesem Zeitpunkt erst 14 gewesen sei. Daraufhin hatte das FBI Ermittlungen eingeleitet.

Als die Anschuldigungen im vergangenen Jahr öffentlich wurden, wies Adams sie noch zurück. In der Daily Mail schreibt er jetzt, er wolle ein besserer Mann werden (er schreibt nicht "human being" sondern "man"). Er habe sich zudem professionelle Hilfe für seine psychischen Probleme und seine Suchtkrankheit geholt - und erkannt, welchen Schaden er verursacht habe. Er wolle sich auch "nicht nur entschuldigen, um die Sache abhaken zu können". Er wisse vielmehr genau, "dass von denen, die ich verletzt habe, jegliche Entschuldigung wahrscheinlich nicht akzeptiert wird".

Adams Ex-Frau Mandy Moore sagte danach in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender NBC News, dass sich der Musiker noch nicht persönlich bei ihr gemeldet habe: "Ich verlange nicht unbedingt eine Entschuldigung, aber ich finde es schon verdächtig, dass man in der Öffentlichkeit darüber spricht, ohne es privat zu klären."

© SZ/tmh
Ryan Adams 2015 in New York

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