Holocaust-Überlebende:Schriftstellerin Ruth Klüger ist tot

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Ruth Klüger

Ruth Klüger

(Foto: dpa)

Mit ihren Erinnerungen "weiter leben" wurde Klüger bekannt. Nun ist die Literaturwissenschaftlerin im Alter von 88 Jahren gestorben.

Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger ist tot. Das teilte der Verlag Zsolnay mit. Klüger wurde 88 Jahre alt. "Mit Ruth Klüger geht eine wichtige Zeitzeugin von uns. Ihre reflektierte und mutige Stimme wird fehlen", teilte ihr deutscher Verlag Wallstein mit.

Ruth Klüger wurde 1931 als Tochter jüdischer Eltern in Wien geboren. Im Alter von zwölf Jahren wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Theresienstadt, ein Jahr später nach Auschwitz-Birkenau und dann in das Arbeitslager Christianstadt deportiert. Bereits dort begann sie, Gedichte zu schreiben. Gegen Kriegsende gelang Klüger auf einem der "Todesmärsche" zusammen mit der Mutter und einer Pflegeschwester die Flucht, die schließlich nach 1945 im bayerischen Straubing ihr Ende fand. Der Vater, ein jüdischer Frauenarzt, wurde in Auschwitz ermordet.

Klüger studierte in Regensburg und emigrierte 1947 mit ihrer Mutter in die USA, studierte in New York Bibliothekswissenschaften und später an der University of California in Berkeley Germanistik. Als Professorin für deutsche Literatur lehrte Klüger an den Universitäten von Cleveland, Kansas und Virginia und befasste sich mit Autoren wie Heinrich von Kleist und Thomas Mann. Bis zu ihrer Emeritierung lehrte sie an der Princeton University und der University of California in Irvine. Sieben Jahre lang war sie hauptverantwortliche Herausgeberin der Fachzeitschrift German Quarterly. Als anerkannte Lessing- und Kleistspezialistin verbrachte sie ihre Freisemester in Göttingen. Die Welt nannte sie einmal "Amerikas bekannteste Germanistin".

Weltweite Bekanntheit erlangte Klüger mit einem Erinnerungsbuch, das vor allem ihre Jugend im Dritten Reich umfasste und darlegte, in welchem Ausmaß Sprache und Literatur ihr das Über- und Weiterleben ermöglicht haben. Ihre Erinnerungen erschienen schließlich 1992 unter dem Titel "weiter leben" im Göttinger Wallstein Verlag. Mit "Katastrophen" veröffentlichte Klüger 1994 eine Sammlung von Essays, in denen sie jüdischen Gestalten in der deutschen Literaturgeschichte und Erscheinungen des Antisemitismus im Werk jüdisch-österreichischer Autoren nachspürte. 2008 legte sie den zweiten Band ihrer Erinnerungen vor mit dem Titel "unterwegs verloren", in dem sie aus ihrem Leben in Amerika, u. a. von Rassismus und Diskriminierung im amerikanischen Universitätsbetrieb, berichtete.

Zum Gedenken an den Nationalsozialismus hielt Klüger, die bis zuletzt in Kalifornien und Göttingen lebte, 2016 eine Rede im Bundestag, in der sie ihre Erlebnisse im Konzentrationslager schilderte. Zum Schluss ihres Vortrags lobte sie die Öffnung der deutschen Grenzen in der Flüchtlingskrise und bezeichnete Angela Merkels Satz "Wir schaffen das" als "heroisch". Ruth Klüger hinterlässt zwei Söhne.

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