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Rückblick:Gute Preise - gute Besserung

Die beiden großen Market Reports von Clare McAndrew und Rachel Pownall widersprechen sich zum Teil beträchtlich. Sicher ist jedoch: In den USA geht der Kunsthandel zurück, in Asien nimmt er zu.

Von Astrid Mania

Auch im Kunstbetrieb vermehrt sich, was erfolgreich ist. Dass es nun aber zwei Berichte gibt, die das Volumen des globalen Kunstmarkts vermessen, mutet auf den ersten Blick absurd an. So groß werden die Unterschiede doch nicht sein? Ja und nein.

Der Tefaf Art Market Report hat mit der Neurofinanzwissenschaftlerin und Kunstmarktexpertin Rachel Pownall eine neue Autorin, und sie hat gleich die Kunstwelt aufgeschreckt. Denn obwohl sie dem Kunstmarkt ein Wachstum von 1,7 Prozent attestiert, beziffert sie sein Gesamtvolumen auf lediglich 45 Milliarden Dollar. Da fehlen rund 20 Milliarden, die Clare McAndrew in ihrem Tefaf Report des Vorjahres angegeben hatte.

McAndrew, die von der Art Basel abgeworben wurde und nun in Hongkong ihren Bericht vorgestellt hat, muss im Rahmen ihrer Analyse einen Rückgang des Handelsvolumens um ganze elf Prozent auf 56,6 Milliarden Dollar verkünden. Immerhin hat sie Vergleichsdaten aus den Vorjahren. Pownall erklärt ihre Zahlen mit einem neuen Ansatz. Sie setzt nach eigenen Angaben auf "eine fokussierte und spezifische Definition dessen, was Kunsthändler und Kunstgalerien sind" und zieht vorwiegend offizielle nationale Statistiken heran.

In vielem aber ähneln sich die Befunde. Das Volumen des Auktionshandels hat laut Tefaf vor allem in den USA deutlich abgenommen (um 40 Prozent), dennoch bleiben die USA mit 29,5 Prozent unverändert weltweit größte Kunsthandelsmacht, vor Großbritannien und China. Auch finden sich unter den teuersten Losen wie gewohnt keine Künstlerinnen, aber viele chinesische Künstler, und mit Raja Ravi Varma hat es erstmals ein indischer Maler in die Top 20 geschafft. Laut Tefaf-Report ist Asien auch der Kontinent, der mit 40,5 Prozent den größten Anteil am weltweiten Auktionshandel hat.

Pownall geht stärker ins Detail, vor allem bei den jeweiligen Ländern: Für Deutschland etwa nennt sie - für 2014 - eine Zahl von 9804 Galerien mit insgesamt 21 475 Angestellten. McAndrew blickt stärker auf die globalen Wirtschaftsentwicklungen und wartet ebenso mit Fakten und Zahlen zu Einkommensverhältnissen und Motivationen von Sammlern auf. Die unterschiedlichen Schwerpunkte ergänzen sich durchaus. So bekommt, wer sich die Lektüre beider Berichte gönnt, einen ziemlich fundierten Einblick in den Markt und den ökonomischen Gesamtkontext.

© SZ vom 25.03.2017

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