Ronen Steinke über Meinungsfreiheit
Es fällt schwer, einen Wert darin zu erkennen, dass Meinungen geäußert werden, die einem selbst zuwider sind. Es hat aber einen großen Wert, argumentiert Ronen Steinke, Leitender Redakteur der SZ und Lehrbeauftragter für Strafrecht an der Universität Frankfurt am Main. Anschaulich und verständlich analysiert er eine rasante politische Entwicklung: In Deutschland gab es noch nie so viele strafrechtliche Regeln rund um Meinungsäußerungen wie heute.

Was früher geschmacklos war, landet heute bei der Staatsanwaltschaft. Das ist ein heikles Thema angesichts zunehmender Bedrohungen im Internet. Hier gelte selbstverständlich die Schutzpflicht des Staates, unterstreicht Steinke. Aber er warnt eben auch davor, Spott und Kritik immer mehr zu kriminalisieren, besonders wenn er Politikerinnen und Politiker trifft. Demokratie heißt für ihn: Wir müssen einander – und auch politisch Verantwortlichen – auch beißende Polemik zumuten dürfen.
Stefan Klein über die Fünfzigerjahre

Von der großen Welt in die kleine: Als Reporter der Süddeutschen Zeitung hat sich Stefan Klein seine Geschichten meist in sehr weit entfernten Ländern gesucht. Für seinen Roman „Der blaue Sommer“ hat er seinen Protagonisten, einen kleinen Jungen namens Simon, in einem Dorf tief in der deutschen Provinz angesiedelt. Es sind die Fünfzigerjahre, als Kind ohne Vater, mit der Mutter zugezogen, tut sich Simon lange schwer in der Dorfgemeinschaft. Er ist Außenseiter, aber mit dem Bäckerjungen schließt er Freundschaft. Bei dem zuhause gibt es, damals noch große Seltenheit, einen Fernseher, und so erschließt sich den Freunden auch die Welt jenseits des Dorfes - bis der blaue Sommer alles verändert. In einer längst versunkenen Welt lässt der Autor den Jungen Simon aufwachsen und entdecken, was das Leben ausmacht und wie es ist, mit Schuld umzugehen.

