Roman "Brief in die Auberginenrepublik" Von Bengasi nach Bagdad

Mit seinem dritten Roman "Brief in die Auberginenrepublik" ist dem deutsch-irakischen Schrifsteller Abbas Khider ein flimmerndes Porträt des Alltags in den arabischen Diktaturen gelungen. In dem Roman verfolgt er den Weg eines Liebesbriefes von Bengasi nach Bagdad.

Von Meike Fessmann

Wie viele Finten, Tricks und glückliche Zufälle es braucht, um eine Diktatur zu überleben und im Exil zu bestehen, davon erzählt Abbas Khider, seit er vor fünf Jahren mit seinem Buch "Der falsche Inder" auf Deutsch debütierte. Dieses Wunderwerk, das in Form einer Schelmengeschichte die eigene Lebenserfahrung zu einem vielstimmigen Roman verarbeitete, hat dem deutschen Leser eine Welt erschlossen, die er nicht kennt, auch dann nicht, wenn er mit gültigen Reisepapieren auf dem ganzen Globus unterwegs ist: jene Schattenwelt aus Angst, tödlicher Bedrohung, riskanten Grenzübertritten, zeitweiligen Ruhepausen und Getriebensein, in der Flüchtlinge existieren müssen, die auf illegalen Wegen in ein besseres Leben zu kommen hoffen.

Auch der zweite, im Irak der Achtziger- und Neunzigerjahre spielende Roman, "Die Orangen des Präsidenten", erzählt von einer Grenzerfahrung: Wie man ein Gefängnis überleben kann, in dem Hunger und Folter an der Tagesordnung sind. Für beide Bücher wurde der 1973 in Bagdad geborene und über zahlreiche Länder nach Deutschland geflohene Schriftsteller zu Recht bewundert und gepriesen. Nun legt er seinen dritten Roman vor. "Brief in die Auberginenrepublik" kehrt nach den Erfahrungen des arabischen Frühlings noch einmal in die Zeit zurück, in der das Internet noch nicht jenes Medium war, das Diktaturen ins Wanken bringt.

Die Reise eines Liebesbriefs

Äußerlich hat diese Prosa vieles mit ihren Vorgängern gemeinsam. Doch ihre innere Bewegung ist genau umgekehrt: die ersten Etappen der Flucht, also der Weg von Bagdad nach Bengasi, wird nun in entgegengesetzter Richtung zum roten Faden der Handlung. Es ist auch kein Mensch, der hier reist, sondern ein Brief. In den ersten Oktobertagen 1999 ist er von Gaddafi City, dem schäbigsten Viertel der libyschen Hafenstadt Bengasi, nach Saddam City, dem Armenviertel von Bagdad, unterwegs.

Salim, ein junger muslimischer Iraker, der für das Lesen verbotener Bücher verhaftet wurde und nach kurzem Gefängnisaufenthalt fliehen konnte, schickt ihn auf illegalen Wegen an seine Geliebte, eine kurdische Christin, die er noch immer in Bagdad wähnt. Zwei Jahre sind seit ihrem letzten Treffen vergangen, jeden Tag hat er an sie gedacht und ihr unzählige Briefe geschrieben. Aus Furcht, ihr zu schaden, schickte er sie niemals ab. Erst als er von dem illegalen Netzwerk aus Bussen, Taxis und Lkw erfährt, das Postsendungen als Beiladungen quer durch die arabischen Staaten schmuggelt, kann er endlich tun, was ihm wichtig ist: Samia seine Liebe erklären und ihr mitteilen, dass es ihm gut geht und dass er kein Verräter ist, obwohl er so schnell aus der Haft entlassen wurde.

Immer wieder Tahrir

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