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Rolf Hochhuth im Clinch mit Claus Peymann:Auf den Knien eines Herzens

Rolf Hochhuth

Rolf Hochhuth ist nach eigener Darstellung bei Claus Peymann wegen seines Stückes "Sommer 14" vorstellig, aber vom Pförtner abgewiesen worden.

(Foto: dpa)

Kein Sommer in Berlin ohne Streit zwischen Rolf Hochhuth und Claus Peymann. Ersterer ist Dramatiker und Vermieter einer traditionsreichen Spielstätte, letzterer an ebendieser Intendant und Mieter. Derzeit ringen sie um die Aufführung eines Stückes im kommenden Sommer.

Das hübsche Theatergebäude am Schiffbauerdamm, Berlin, gehört der Ilse-Holzapfel-Stiftung, gegründet von dem Dramatiker Rolf Hochhuth (R.H.), benannt nach dessen Mutter. Für 214.000 Euro jährlich ist es seit 1998 an den Berliner Senat vermietet. Untermieter im Haus ist das Berliner Ensemble (BE), seit 1999 geleitet vom Intendanten Claus Peymann.

In der vergangenen Woche hat R.H. seine Entschlossenheit bekräftigt, "die sofortige Räumung des BE per einstweiliger Verfügung zu veranlassen". R.H. steht das Recht zu, im Theater am Schiffbauerdamm während der Spielzeitpause eigene Stücke aufführen zu lassen. Er muss dies nur rechtzeitig anmelden.

Der Streit um das Haus hat eine lange Geschichte. Folgende Meldungen aus vergangenen Jahren - eine unvollständige Auswahl - könnten als Material dienen für das noch zu schreibende Dokumentarstück "Hochhuths Berliner Kämpfe".

Im August 2000 inszeniert R.H. sein Stück "Die Hebamme" am BE. "Sommerschlaftheater", urteilt die SZ. Um den Saal zu füllen, lockt R.H. mit zwei Freikarten für jede Hebamme.

2001 feiert R.H. seinen 70. und sagt der Abendzeitung: Der Ärger zwischen ihm und Peymann sei "der übliche Ärger zwischen Mieter und Vermieter. Aber vor kurzem ist eine Wendung eingetreten, die mich versöhnt und hoffen lässt". Philip Tiedemann inszeniert den "Stellvertreter", das erfolgreichste Stück von R.H., am BE.

Im Februar 2006 kündigt R.H. dem Intendanten des BE, weil dieser das Haus der CDU für eine Veranstaltung vermietet hatte. Johanna Schall soll, so R.H., ans BE kommen. Sie weiß von nichts. Die Kulturverwaltung ist zu Gesprächen bereit. Claus Peymann erklärt sein Mitgefühl mit R.H. Es sei dessen "persönliche Tragik, dass keines seiner Stücke außer dem 'Stellvertreter' mehr gespielt wird."

Im März 2007 will R.H. Peymann wegen Rufschädigung und "krimineller Äußerungen" verklagen. In einem Brief an den Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses fordert er, "die Ära Peymann zu beenden".

Im Juni 2009 tritt R.H. vom Vorstand der Ilse-Holzapfel-Stiftung zurück. Neuer Vorsitzender wird Erich Fischer.

Im Juli 2009 kommt R.H. nicht in das Theater. Es ist verschlossen, Renovierungsarbeiten. R.H. erwirkt eine einstweilige Verfügung, das Land Berlin legt Widerspruch ein, mit Erfolg. Im August hebt das Landgericht Berlin sie wieder auf. Peymann führe einen "mörderischen Kampf" gegen ihn, sagt R.H. der Welt. Im September erweist Peymann R.H. einen "Gnadenakt". Er dürfe das BE in den Theaterferien 2010 nutzen, falls er es rechtzeitig und verbindlich mitteile. R.H. will Peymann vor Gericht die Untervermietung des Hauses "zu theaterfremden Zwecken" verbieten lassen.

Im August 2010 hat "Lysistrata" von R.H. Premiere am BE. "Schützenfesthumor", urteilt die SZ, "Genitalquark" die Welt. Die taz ist besorgt: "Gibt es einen Sommer, in dem sich R.H. nicht mit dem BE zofft?". Indes tritt Erich Fischer als Vorsitzender der Holzapfel-Stiftung zurück: R.H. sehe nicht ein, dass man eine Stiftung "nicht in der Manier eines feudalistischen Alleinherrschers" betreiben könne.

Juni 2011: In der Harald-Schmidt-Show ruft R.H. dazu auf, "eine soziale Revolution loszutreten". Schmidt spielt den Streit Hochhuth vs. Peymann leider nicht mit Playmobil-Figuren nach. Ende des Jahres überlegt R.H., das Theater zum Unesco-Weltkulturerbe erklären zu lassen.

Im Juni 2012 erklärt R.H. der B.Z., er habe Peymann in einem "Demuts-Brief" gebeten, "mein Stück 'Sommer 14'" am 1. August 2014 zu spielen. Ende Mai sei er zum 13. Mal "auf den Knien meines Herzens" (Achtung, Kleist!) bei Peymann vorstellig, aber vom Pförtner abgewiesen worden.

Der Antrag auf einstweilige Verfügung sei noch nicht eingegangen, heißt es in der Kulturverwaltung. Man hoffe auf gütliche Einigung. Von einer Anmeldung zur Sommerbespielung 2014 wisse man nichts.

Im Jahr 2016 endet die Intendanz Claus Peymanns am BE.