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Roger Waters und die "Wall"-Show:Abgefahrener Thesensalat

Roger Waters, Mitbegründer von Pink Floyd, "The Wall Live"

Roger Waters, Mitbegründer von Pink Floyd, bei seiner Tour "The Wall Live" in Athen am 31. Juli 2013. 

(Foto: dpa)

So Roger Waters seine Meinung nicht noch ändert, wird am Abend ein Davidstern auf einem Schwein im Frankfurter Himmel schweben. Unter seiner Alleinherrschaft sieht die "Wall"-Show inzwischen aus wie ein teils nordkoreanischer, teils hippiesker Sonderparteitag. Es war dieser Gaga-Despotismus, der die Band Pink Floyd einst zerstörte.

Von Alexander Gorkow

Das berühmte Pink-Floyd-Schwein wird am Freitagabend durch die Frankfurter Commerzbank-Arena schweben, wenn Roger Waters hier die "Wall"-Show aufführt. Neben anderen Symbolen, zum Beispiel Hammer und Sichel, wird dabei, wenn Waters seine Meinung nicht noch ändert, ein Davidstern auf diesem Schwein zu sehen sein.

Der Stern befindet sich auf dem Eber, seit Waters die Show 2010 wiederbelebt hat. Sehen kann man ihn aber nur von bestimmten Plätzen aus, nämlich eher von den Rängen. Seit einigen Tagen befindet sich Waters im Verschiss, da ein Israeli das Schwein auf einem Konzert in Belgien gefilmt und den Film online gestellt hat. Neben anderen wirft auch der ziemlich unermüdliche Rabbi Abraham Cooper vom Simon-Wiesenthal-Center nun Roger Waters vor, dieser sei ein Antisemit.

Ist er einer? Er selber bestreitet das auf seiner Homepage krachend, teils etwas wehleidig (wenn es um ihn geht), teils sarkastisch (wenn es um die geht, die sich verletzt fühlen). Der Davidstern - "like it or not" - repräsentiere nun mal Israel. Dieser Logik folgend, repräsentiert das Kruzifix nun mal Bayern. Aber Logik, gut.

Ist Waters geschmacklos? Bingo.

Selig sind jene, die die "Wall"-Show 1981 sahen, als vor allem die beiden Pink-Floyd-Musiker David Gilmour und Richard Wright das in die Konzerte einfügten, was Roger Waters fehlt: Eleganz, Lässigkeit, letztlich die Uneigentlichkeit, die große Kunst braucht. Unter Waters' Alleinherrschaft sieht so ein Stadionabend inzwischen aus wie ein teils nordkoreanischer, teils hippiesker Sonderparteitag: Was für ein abgefahrener Thesensalat, Mann! Es war dieser Gaga-Despotismus, der die Band Pink Floyd einst zerstörte.

So. Und das Schwein mit dem Stern?

Fügt sich selbstverständlich ein in den mit schlimmen Ressentiments beladenen Agitprop-Mist von Kunzelmann und Co., den die grünen '68er bis heute nicht weggeräumt haben. Der Sound: Man wird ja mal fragen dürfen. Zum Beispiel, wieso die Juden auf unsere Kosten immer fetter werden - in ihrem Apartheidstaat. Von diesem spricht Roger Waters über die Jahre immer wieder, wenn er Israel für seine Politik attackiert. Dass man Kritik an Israel üben darf, ist zwar immer noch nichts Neues. Es ist eben deshalb von so lächerlicher Durchsichtigkeit, wenn Leute wie Waters ständig 'rumtröten, dass es halt doch was Neues ist. Tabu, huh, huh.

Das Schwein mit dem Stern wird nun durch die Fußballstadien von Frankfurt, Wien, Berlin und Düsseldorf schweben. Ist der alte Roger Waters, der in jungen Jahren die leuchtend schönen Texte von "Dark Side Of The Moon" schrieb, womöglich . . . selbst ein Schwein?

Man wird ja mal fragen dürfen.

Die Antwort: Er ist ein Ferkel.

© SZ vom 09.08.2013/ihe

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