Roger Moore über Bond:Ein Quantum - was?

Kein anderer gab den Geheimagenten so oft wie er: Moore hätte sich einen anderen Bond-Titel gewünscht - für den Titelsong.

Sir Roger Moore in Bildern

9 Bilder

Live and let die. Filmplakat zu Roger Moores Auftritt als James Bond, AP

Quelle: SZ

1 / 9

Kein anderer gab den Geheimagenten so oft wie er: Moore hätte sich einen anderen Bond-Titel gewünscht - für den Titelsong. Hier schreibt Sir Roger Moore über den Bond und den Pop.

Seitdem der Titel des neusten James-Bond-Abenteuers bekannt ist, hat man viel darüber diskutiert, was er bedeuten könnte. Manche haben darauf hingewiesen, dass "Quantum of Solace" ("Ein Quantum Trost") der Name einer Kurzgeschichte in Ian Flemings Buch "For Your Eyes Only" ist.

Es sei "eine Maßeinheit für Trost", sagte der Produzent Michael G. Wilson. Ich muss zugeben: Der Titel macht mir ein wenig Sorgen, genauso wie er wahrscheinlich dem Texter des Titelsongs Sorgen gemacht hat.

Musik spielt ja immer eine große Rolle in Bond-Filmen. Als jemand, der in sieben Bond-Filmen die Rolle des 007 spielen durfte, die allesamt unvergessliche Titelsongs hatten, hätte ich mir einen einfacheren und "singbareren" Titel für das neue Epos gewünscht. Im Titellied, "Another Way To Die", taucht der Titel ja auch gar nicht auf.

Als ich Daniel Craigs erstes Bond-Abenteuer, "Casino Royal", gesehen hatte, war ich begeistert von Craig. Wenn man mich gefragt hätte, auch nur ein paar der Stunts zu drehen, die er da vollführt, hätte ich anschließend sicherlich einige Tage im Krankenhaus verbracht.

Bei meinem ersten Auftritt als Jimmy Bond - in "Leben und sterben lassen" - habe ich mich beim Dreh der großen Jetboat-Verfolgungsjagd auch tatsächlich verletzt. Ich habe das schnelle Wenden geübt, als der Motor ausfiel und damit auch die Lenkung. Ich raste weiter geradeaus, genau in ein Bootshaus aus Holz. Beim Aufschlag stürzte ich aus dem Boot gegen eine Wand, schlug mir meine Schneidezähne aus und verdrehte das Knie. Danach musste ich tagelang mit einer Krücke laufen.

Zum Glück musste ich in den meisten Szenen erstmal nur im Boot sitzen. Da humpelte ich also mit meiner Krücke ins Boot und tat vor der Kamera so, als sei ich unzerstörbar. Wer will da behaupten, ich könne nicht schauspielern?

Text: SZ vom 05.11.2008/pak Deutsch von Lars Weisbrod Foto: Filmplakat zu Roger Moores erstem Auftritt als James Bond/United Artists

Paul McCartney, AP

Quelle: SZ

2 / 9

Der Dreh von "Leben und sterben lassen" brachte mich auch dazu, über Titel und Titelsongs nachzudenken. "Live and Let Die" ist ein recht eingängiges Wortspiel und auch songtexterfreundlich, wie Paul McCartney bewiesen hat, der das Titellied geschrieben und zusammen mit den Wings eingespielt hat.

Obwohl Produzent Harry Saltzman, als ihm der Komponist George Martin den Song vorspielte, aufblickte, brummte und sagte: "Okay. Aber wen kriegen wir dazu, das zu singen?" Martin sah Saltzman damals ungläubig an und antwortete: "Du hast bereits den größten Star der Welt als Sänger!"

Foto: Paul McCartney schrieb den Titelsong für "Live and Let Die"/AP

Christopher Lee und Roger Moore in der Mann mit dem goldenen Colt, dpa

Quelle: SZ

3 / 9

Meinen zweiten Auftritt hatte ich in "Der Mann mit dem goldenen Colt", für den Don Black einen wundervollen Songtext schrieb, in dem der Filmschurken Scaramanga als ein Killer vorgestellt wird, der für seine Aufträge "a million a shot" berechne - eine Million für einen Schuss.

Zusammen mit der Musik von John Barry und dem Gesang von Lulu war das Lied ein schlagkräftiger und angemessener Anfang und Ende für den Film. Und darum geht es bei Bond-Songs: Wenn sie zu Maurice Binders wundervollem Titel-Design passen, erzählen sie ein Stück der Geschichte.

Foto: Christopher Lee (links) ist der "Mann mit dem goldenen Colt" in Roger Moores zweitem Auftritt als James Bond/dpa

Roger Moore (links) mit Richard Kiel in Der Spion, der mich liebte, ARD Degeto

Quelle: SZ

4 / 9

Eine Geschichte, von der Ian Fleming nicht wollte, dass sie auf der Kinoleinwand erzählt wird, war "Der Spion der mich liebte." Er schrieb den Roman aus der Sicht einer russischen Agentin anstatt wie üblich aus der Perspektive von Jim Bond, und angeblich hasste er das Buch dann. Die Titelzeile "The Spy Who Loved Me" war ebenfalls kein offensichtlicher Kandidat für einen eingängigen Song, aber Carol Bayer Sager brachte es im Text zu dem kraftvollen "Nobody Does It Better" unter. Marvin Hamlisch komponierte die Musik und der Song wurde ein großer Erfolg für Carly Simon.

Es war das erste Mal, dass der Liedtitel vom Filmtitel abwich, trotzdem funktionierte der Song brillant und rundete mein Portrait von 007 großartig ab , obwohl ich natürlich viel zu bescheiden bin, um anzudeuten, niemand habe es besser gemacht.

Foto: Im Kampf mit dem Killer "Jaws" (Richard Kiel, rechts): Roger Moore in "Der Spion, der mich liebte", ARD Degeto.

Schnellboot aus dem Film Moonraker (hinten), AP

Quelle: SZ

5 / 9

Als Bond für den nächsten Film "Moonraker - Streng geheim" in den Weltraum geschossen wurde, suchte man nach einem Sound mit mehr Soul. John Barry lieferte ihn und schrieb zusammen mit Hal David einen Song für Johnny Mathis. Als Mathis plötzlich nicht mehr zur Verfügung stand, fand man in letzter Minute Ersatz in Shirley Bassey. Damit wurde sie die einzige Künstlerin, die drei Bondnummern singen durfte. Die Titelsongs zu "Goldfinger" und "Diamantenfieber" hatte sie ja ebenfalls aufgenommen.

Ironischerweise war "Moonraker", obwohl ihm die Kritiker vorwarfen, etwas zu sehr "nicht von dieser Welt" zu sein, zwei Jahrzehnte lang der finanziell erfolgreichste Bond-Film.

Foto: Schnellboot aus dem Film "Moonraker" (hinten)/AP

Roger Moore in dem Bond:

Quelle: SZ

6 / 9

Trotzdem legten höhere Mächte fest, dass Bond in meinem fünften Ausflug als 007 "In tödlicher Mission" ein wenig ernsthafter daherkommen sollte. Musik und Text des Titelsongs stammten von Bill Conti und Michael Leesin, die junge schottische Sensation Sheena Easton war ausgesucht worden, den Song während der Titelsequenz nicht nur zu singen, sondern auch darzubieten. Das erste Mal war einer der Sänger auf der Leinwand zu sehen.

Foto: Roger, "In tödlicher Mission"/Cinetext

James Bond in Octopussy, dpa

Quelle: SZ

7 / 9

In einem der TV-Interviews zu "For Your Eyes Only" stellte man mir dann die notorische Frage, ob ich noch einen weiteren Bond-Film drehen werde, und ich antwortete: "Na ja, am Ende jedes Films heißt es immer 'James Bond will return' und nicht 'Roger Moore will return'." - "Und in welchem Film wird Bond zurückkehren?" fragte die Interviewerin. "Octopussy", antwortete ich. Es gab eine Pause. Blankes Entsetzen spiegelte sich im Gesicht der Interviewerin, denn es war eine Live-Sendung. "Sie können so was nicht sagen!" rief sie. "Es ist ein Titel von Fleming", erklärte ich, "und der Titel des nächsten Films."

Genau wie "The Spy Who Loved Me" war es allerdings keiner, den ein Songtextschreiber gewählt hätte. Trotzdem schuf Tim Rice zusammen mit John Barry das wundervolle Easy-Listening-Stück "An all Time High", gesungen von Rita Coolidge - ohne jede Erwähnung von "Octopussy".

Foto: "Octopussy" führt "007" (Roger Moore) in das damals noch geteilte Berlin - sechs Jahre vor dem Mauerfall/dpa

Roger Moore, Eva Halina (Mitte), Tracy Bingham 1999 in Cannes, AP

Quelle: SZ

8 / 9

Während den Arbeiten für ,meinem siebten 007-Einsatz "Im Angesicht des Todes" habe ich dann gemerkt, dass ich bald zu alt sein werde, um mich durch so herumbeuteln zu lassen. Außerdem waren die Damen in den Hauptrollen mittlerweile jünger als meine Tochter.

Foto: Zu alt für den Bond: Roger Moore 1999 mit den Schauspielerinen Eva Halina (Mitte) und Tracy Bingham in Cannes/AP

Simon Le Bon (rechts) und Nick Rhodes von Duran Duran, Reuters

Quelle: SZ

9 / 9

Ich beschloss, dass es an der Zeit war, meine Walther PPK zu entladen und in den Ruhestand zu gehen. Aber ich ging mit einem Knall. Dank Duran Duran, die auch den Text zu dem von John Barry komponierten Titelsong schrieben, wurde "A View to a Kill" der erste Nummer-Eins-Hit aus der Bond-Reihe.

Ich blicke sehr gerne zurück auf die sieben Auftritte als Ian Flemings Alter Ego und bin den Produzenten Saltzman und Cubby Broccoli dankbar für das Privileg, zwölf Jahre lang einer der größten Kino-Ikonen der Sechziger, Siebziger, Achtziger, Neunziger und nun wohl auch der Nuller-Jahre zu verkörpern. Oder sollte ich besser schreiben, zu interpretieren?

Auch mit einem etwas gewöhnungsbedürftigen Titel wird der neueste Film der Reihe seinen Produzenten ohne Zweifel an den Kinokassen "Trost" spenden. Denn egal, wie sehr sich die Welt verändert hat in den 46 Jahren, seit 007 zum ersten mal auf der Leinwand zu sehen war - Bond war immer eine gute Investition.

Sir Roger Moore spielte James Bond in mehr Filmen als jeder andere Schauspieler. Diese Woche erschien seine Biographie "My Word Is My Bond" (Collins). Moore lebt in Monaco und der Schweiz.

Foto: Sorgten mit "A View to Kill" für den ersten Nummer-Eins-Hit aus der Bond-Reihe: Simon Le Bon (rechts) und Nick Rhodes von Duran Duran/Reuters

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB